Sexy, philosophisch, gelassen: 5 Beobachtungen auf dem Melt! Festival 2015

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Sexy, philosophisch, gelassen: 5 Beobachtungen auf dem Melt! Festival 2015

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Gelassenheit hat Vorrang

Auf dem Melt! Festival gilt: sich treiben lassen. Wer hier tagsüber hektisch von Bühne zu Bühne poltert, hat angesichts der heißen Sommertemperaturen und der sich schleichend bewegenden Mit-Festivalbesucher schon verloren. Anders als bei Rockkonzerten mit knochenbrechenden Mosh-Pits schlappen viele Besucher beim Melt! angstfrei mit Flip-Flops oder gleich barfuß übers Gelände – bezeichnend für den Chill-Vibe, der selbst auf den Campingplatz herüber schwappt. Wer es trotz erbarmungsloser Sonneneinstrahlung im Zelt aushält, verschläft den Tag, um für die nächtlichen Stunden wieder Vollgas geben zu können. Hier ticken die Uhren eben ein wenig langsamer.

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Auf den Spuren von Coachella

Glitzertattoos, Hippie-Mode und ausladende Blumenkränze – Das Melt! macht sich gern hübsch und lässt damit einige Parallelen zum US-amerikanischen Luxus-Festival Coachella durchblicken. Was einem manchmal bereits etwas zu perfekt und überkandidelt erscheint, reißen dann jedoch noch der obligatorische Bierdosenhutträger und der Bananenmann raus. Dinge, für die man im elitären Indio, Kalifornien vermutlich mit brennenden Selfie-Sticks aus der Wüste gescheucht werden würde.

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Österreich macht sexy

In Österreich leben die erotischsten Menschen der Welt. Beweisstück A: Bilderbuch, vier Halbstarke, die ihr Publikum am Freitag mit kreisenden Hüftbewegungen und nahezu unerhörtem Augenkontakt bezirzten. Bei Temperaturen von über 35 °C springt der Funke über – auch das Publikum „klatscht mit den Hüften“, wie es Frontmann Maurice ganz treffend formuliert.

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Beweisstück B: Wanda – der bittersüße Pop der Wiener lädt zu euphemistischer Selbstzerstörung ein. Auch wenn man exzessiven Alkoholgenuss nicht verherrlichen sollte: Mit sanften Stoßbewegungen aus dem Becken verbreitet Sänger Marco Michael Wanda (tatsächlicher Name Michael Marco Fizthum) große Lust auf einen oder acht Schnäpse am klebrigen Tresen. Und danach auf wildes Rumknutschen und Fummeln auf dem Gang zum Klo.

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Trance-Zustände

Einen Sonnenaufgang beim Melt! anzuschauen, lohnt sich in doppelter Hinsicht – einerseits natürlich wegen des gigantischen Feuerballs, der sich langsam über die stillgelegten Stahlkolosse hebt, andererseits auch, weil sich in den frühen Morgenstunden gehemmte Menschen in entfesselte Individuen verwandeln. Die letzten Überlebenden des Festivaltags tanzen manchmal in sich gekehrt, manchmal völlig von Sinnen oder beginnen ihre Mitmenschen nach dem Sinn des menschlichen Daseins auszufragen. Die Zeit zwischen Dämmerung und Schlafengehen wird zum wichtigsten Moment des Lebens – und wer Glück hat, schafft es sogar, dieses Gefühl in die Nüchternheit mitzunehmen.

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Pop-Up-Partys

An jeder Ecke des Festivals, sei es auf dem Campingplatz oder beim Raclette-Verkäufer auf dem Festivalgelände – überall kann vor einem Lautsprecher aus dem Nichts ein euphorischer Rave, Aerobic-Kurs oder Rap-Battle unter den Zuschauern ausbrechen. Dank Dauerbeschallung ist Feiern zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich, was den Besuchern und ihrer jeweiligen Laune entgegenkommt. Das Melt! ist nun mal keine reine Electro-Veranstaltung, sondern schlichtweg das, was man für sich daraus macht.

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Andreas Meixensperger
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