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Singer-Songwriter Ben Howard: Soundtrack für Verliebte und Entliebte

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Singer-Songwriter Ben Howard: Soundtrack für Verliebte und Entliebte

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Es ist das Worst-case-Szenario: Piep. Aus. Das Diktiergerät gibt just zum Interview-Beginn seinen Geist auf. Ben Howard geht ohne zu zögern zu der Anlage im Konferenzraum bei Universal Music in Berlin und öffnet die herumliegenden Fernbedienungen, eine nach der anderen. „Schade, die Batterien sind alle zu groß. Ich gehe los und besorge dir welche.“ Er hat seinen Fuß schon in der Tür, bevor man diesen höflichen jungen Mann aufhalten kann, dass das nicht sein Job sei. Dann setzt er sich an den runden Tisch und bietet die Getränke an in diesem Raum, in dem er selbst Gast ist.

Im letzten Jahr hat der 27-jährige Engländer zwei BRIT Awards in den Kategorien „British Breakthrough Act“ und „British Male Solo Artist“ gewonnen, und sein Debütalbum mit dem sentimentalen Singer-Songwriter-Folk „Every Kingdom“ wurde der Soundtrack für Verliebte und Entliebte. Sein neues Album „I Forget Where We Were“ erscheint am 17. Oktober und wird, laut Howard, eine „verfeinerte Version des Debüts mit aufregenderen Sounds”. Ben Howard ist ein gewandter Gitarrist, der zupft und tippt und klopft. Entsprechend dominieren übereinandergelegte Schichten unterschiedlicher Akustikgitarren, die Streicher oder Bläser ersetzen, den erdigen Klang des Nachfolgewerks. Seine Stimme hat in all ihrer Weichheit etwas Heiseres und erinnert in ihren kernigsten Momenten ein wenig an Lindsey Buckingham.

Ein zerstreuter, unentschlossener Geist

So unaufgeregt und seelenruhig, wie Ben Howard nun da sitzt, ganz in Schwarz, und seine Worte wählt, glaubt man kaum, wenn er erzählt, wie zerstreut er ist und wie unentschlossen. „Das Album ist eine Entwirrung meiner Gedanken. Ich war besorgt, dass es zusammengestückelt und uneinheitlich klingen würde, weil es ein Mischmasch verschiedener Ideen und Phasen ist, die ich während der Aufnahmen hatte. Aber diese Collage macht letztlich den Charme aus.“ Mit Liedschnipseln im Gepäck, tüftelte er acht Monate lang im Studio, „das war ein langer Winter“, sagt Howard. Er sagt über seine Arbeit nie „ich“, er sagt immer „wir“ und meint damit die Musiker, die ihn unterstützen.

Manchmal wird Howard mit Größen Nick Drake oder Tim Buckley verglichen, manchmal mit dem Schnuckel-Folk-Sänger Ed Sheeran. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Gäbe es eine Schublade mit rührseligen Liedern für Teenager mit Liebeskummer, Ben Howard würde sie füllen – könnte man meinen. Aber Howards Stärke ist es, so intim zu singen, als nähme er den Hörer an die Hand zu einem Waldspaziergang im Herbst, als wäre das, was er singt, das Letzte, was er loswerden möchte, bevor man sich trennt. „Ich war selbst immer das, worüber ich gesungen habe. Ich rede nicht wirklich über meine Gefühle. Irgendwie ist es so gekommen, dass ich über mich selbst singe, das kam immer am natürlichsten. Das ist meine Freisetzung in der Musik.“ Es scheint, als würde sein Gitarrenspiel sein Innenleben in Klänge übersetzen. „Ich denke in Melodien, ich träume in Melodien“, sagt Howard.

“Irgendwann möchte ich die Dinge weniger Ernst nehmen!”

Der leidenschaftliche Surfer hat die Ruhe weg, wenn man seinen Indie-Folk dennoch als “seicht” bezeichnet: „Wir werden andauernd missverstanden. Wir sind im Grunde alle Interpretationen von Interpretationen anderer Leute von uns selbst. Ich habe begriffen, dass es nur eine bestimme Anzahl an Menschen auf der Welt gibt, die wirklich zählen.“ Es ist halb zwölf Uhr mittags. „Du hast mich am Morgen erwischt, wenn ich gelassen gegenüber allem bin. Morgens kann man mir alles an den Kopf werfen. Wenn wir uns abends unterhalten würden und ich etwas getrunken hätte: Da hätte ich schon ein paar Worte dazu zu sagen.“ Er lacht kehlig. „Irgendwann möchte ich die Dinge weniger ernst nehmen und mehr Humor in meiner Musik haben.“

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