The Wave Pictures im Interview und morgen beim Down By The River in Berlin


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Sie zählen zu der Kategorie Bands, die von vielen Seiten zu unrecht unterschätzt werden. Dabei handelt es sich bei den Wave Pictures um die „vielleicht letzte Indie-Band“. Am Samstag den 21. Juli spielen sie beim Down By The River Festival in Berlin im KaterHolzig – der Veranstaltung für „unerhörte und windschiefe Töne“. Alle weiteren Infos gibt es hier. Lesen Sie hier nun unsere Story von Robert Rotifer, der die Band für uns in London traf.

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Im Londoner Lexington scheint der Fußboden in Richtung Bühne zu kippen. Die Köpfe des dicht gedrängten Publikums neigen sich nämlich stetig weiter vor in Richtung eines unscheinbaren, klein gewachsenen Mannes in kariertem Hemd, der im Scheinwerferkegel quirli­ge Tri­olen aus einer billigen chinesischen Fließbandgitarre pflückt.

Zugegeben, der magische Bann der Leadgitarre ist kaum die neueste Zutat in der Trickkiste der Rockmusik. Aber wir befinden uns hier mitten im Stammrevier der fundamentalistischen Indie-Szene, und Gitarrenhelden sind in dieser Welt des musikalischen Understatements eigentlich alles andere als gern gesehen. Schon gar nicht solche, die es sich leisten, am Ende jedes zweiten Songs Hunderte Takte lang aus­ufernd zu jammen. Es sei denn, man heißt Dave Tattersall, widersteht jeder Versuchung zu breitbeinigen oder sonstigen Posen und pflegt einen demonstrativ nüchternen, unverzerrten Ton – die betonte Antithese jeder Effekthascherei und gerade deshalb so beeindruckend. Manchmal sind Tattersalls­ ­Soli so melodiös wie Richard Lloyd­ und Tom Verlaine­ von Television zugleich, dann wieder neckisch wie Chuck Berry oder böse und zackig wie Link Wray. Langweilig werden sie jedenfalls genauso wenig wie seine synkopierte, vor Metaphern strotzen­de Beschreibungspoesie in den wortreichen Gesangspassagen.

In den besten Live-Momenten der Wave Pictures wirken Franic Rozycki­, der bärtige Bassist, und Johnny Helm, der Schlagzeuger, wie zwei Fans, die sich auf die Bühne verirrt haben, um Tattersall beim Umrühren auf dem Griffbrett zuzusehen. Wann immer seine Finger ihn gerade zu einem neuen Thema jenseits des Vorgesehenen geleitet haben, wirft ihnen der Gitarrist einen schelmisch amüsierten Blick zu, so als hätte er bei einer vorstädtischen Dinner-Party einen riskanten Witz erzählt. Und dann weichen sie wieder gemeinsam von den Mikrofonen zurück, lassen die Instrumente baumeln und unterrichten uns im Chor mit stets frischem Kunststudenten-Enthusiasmus darüber, dass eine Skulptur eine Skulptur sei und Marmelade Marmelade, eine Skulptur von Marmelade aber keine Marmelade, sondern nur eine Skulptur („Strange Fruit For David“ aus dem Album „Instant Coffee Baby“). Beglückende Szenen, die sich Hunderte Male pro Jahr in den Indie-Clubs Europas und Amerikas ereignen, schließlich sind die Wave Pictures eine jener Bands, die sich ihren Unterhalt mit einem gnadenlos dichten Tour-Fahrplan verdienen.



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