Legendärer Konzertfilm: „The Cure In Orange“ wird 30

Der vielleicht schönste Moment findet nicht im, sondern nach dem Konzert statt: Zu den Playback-Klängen von „Sweet Talking Guy“, dem 1966er-Soulhit der Chiffons, tanzen die Cure-Musiker noch einmal für ihre Fans, auf dem Balkon des römischen Amphitheaters Théâtre antique d’Orange, wo sie zwei Stunden lang im Rahmen ihrer „Beach Party “-Konzertreise gastierten. Die Fünf sind nur ganz klein zu sehen, in einer Totale. Die Zuschauer jubeln ihnen zu, weit weg, von weit unten. Dann setzt der Abspann ein.

Hier wurde klar, dass The Cure längst Pop waren, auch wenn manche sie noch als „Gruftis“ bezeichneten. Die Chiffons-Power nahm den künftigen Kurs mit Motown-Rhythmus („Why Can’t I Be You?“) und Ibiza-Party („Hot Hot Hot!!!“) vorweg. Das Doppel-Album „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ stand da, es sollte im Mai 1987 erscheinen, bereits bevor. Und auch, wenn „The Cure In Orange“ seine Premiere vorher, im Februar des Jahres – also streng genommen noch in der „Head On The Door“-Periode –  feierte, erwies sich dieses Timing als unglücklich. Die meisten Länder kamen erst ab dem Herbst in den Genuss des Konzertfilms. Da war „Kiss Me“ natürlich längst draußen. Und das hier dargebotene Set also veraltet.

Bei „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ stellte der Sänger wie gewohnt seine eindrucksvolle Frisur zur Schau, aber zu Beginn dieses Auftritts von 1986 wird Robert Smith, bevor er es von hinten auf die Bühne schafft, die Vogelnest-Perücke vom Kopf gerissen: darunter ein praktischer Popper-Schnitt. Und dann der Titel des Konzertfilms! „In Orange“: Das las niemand, als wäre es französisch. Das las jeder, als wäre es englisch. Und auch nicht als Ort, sondern als Farbe. Die Orange war Frucht, war Pop. An die französische Stadt dachte keiner, kannte auch kein Fan außerhalb Frankreichs, der Name stand eher für ein Band-Image.

Im Moshpit

Die südfranzösische Kleinstadt hat viele antike Stätten, für die sie berühmt ist, und rund zehn Jahre nach dem denkwürdigen Cure-Gig im Amphitheater würde Orange als erste Stadt in Frankreich, die einen Front-National-Politiker zum Bürgermeister wählt, dann traurige Berühmtheit erlangen. Aber die Jugend, die sich am 9. August vor 31 Jahren im kleinen Rund vor der Bühne und auf den Tribünen versammelte, sah toll aus, freiheitlich und wild. Regisseur Tim Pope vermied zwar Nahaufnahmen der Fans, aber zumindest der stete kleine Moshpit (bei Cure-Konzerten heute nahezu nicht vorhanden) nutzt jede Gelegenheit zur Rempelei: „Play For Today“, „Primary“, „Push“ …



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