Unheilig, Frei.Wild und Haudegen: Stallknechte der Herzen


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Vielleicht sind ja die Kunststudenten und Dichtertypen an allem schuld: Bands wie Radiohead und Ja, Panik, die mit Intertextualität und Streichorchestern nach Meisterwerken streben, wo es im Rock’n’R oll doch früher vor allem um zwei Minuten und 50 Sekunden Spaß ging. Die Medien klatschen Beifall – und vergessen manchmal, dass die Feuilleton-Darlings nur ein relativ überschaubares musikalisches Segment bearbeiten. Man kann nicht oft genug daran erinnern: Viele Musikhörer und Konzertbesucher wünschen sich einfach ein paar hübsche Songs, die das eigene Weltbild bestätigen. Dabei ist es relativ egal, ob die Musik eher schnulzig oder punkig klingt. Hauptsache, die Texte legen einen starken Arm um die Schultern des Hörers und sagen: „Ich verstehe dich und deine Probleme.“ In der Hinsicht sind sich Kastelruther-Spatzen- und  Böhse-Onkelz-Hörer vielleicht ähnlicher, als sie glauben.

Die Onkelz stellen gewissermaßen den Blueprint für Deutschrock mit Tendenz zum Sentimental-Pathetischen dar. Die vier Musiker aus Frankfurt waren bis zu ihrer Auflösung 2005 die Helden einer Generation von Prolls mit deutsch-nationalem Background. Als Teenager standen sie bekanntlich der Skinheadszene nahe, schrieben einige Nazi-Punk-Songs, weshalb sie auch später von fast allen größeren Medien boykottiert wurden. Die Band verkaufte trotzdem Millionen von Platten und hatte sieben Nummer-eins-Alben. Nicht nur wegen ihres derben Hardrocks, sondern weil sich die Fans in den oft beleidigt-märtyrerhaften Texten aufgehoben fühlten.

Das Ende der Onkelz hinterließ eine Lücke, in die Plattenfirmen schon seit einiger Zeit verstärkt investieren: Musik von ehrlichen Kerlen, deren Lieder sich weniger aus den Mythen des angloamerikanischen Rock’n’Roll speisen als aus der sepiagetönten, hausmacherischen Sehnsucht nach Heimat und Vertrautheit. Zum Beispiel das Duo Haudegen aus dem Berliner Stadtteil Marzahn, das eben sein erstes Album „Schlicht & ergreifend“ veröffentlicht hat. Die tätowierten Zwei-Zentner-Männer Hagen Stoll und Sven Gillert sehen aus wie Hufschmiede, Stallknechte oder Mähdrescherfahrer – mehr pittoreske Bodenständigkeit geht nicht. Aus heiseren Kehlen lamentieren sie zu überwiegend unverstärkter Rockmusik über die Härte der Zeiten und die Lieblosigkeit der Frauen.



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