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Vertreibung aus dem Paradies – 15 Jahre „NYC Ghosts And Flowers“


Am amerikanischen Unabhängigkeitstag war im kalifornischen Orange County ein Truck mit ihrem Equipment gestohlen worden – all die seltsam gestimmten und präparierten Gitarren, die umgebauten und selbst gebastelten Effektgeräte und Verstärker waren weg, und die Band hatte somit den Schlüssel zu ihrem eigenen musikalischen Kosmos verloren.

Es war nicht der erste Verlust, den Sonic Youth hinnehmen mussten. In den Jahren zuvor hatte die Band langsam ihr Zuhause verloren. Kim Gordon, Thurston Moore, Lee Ranaldo und Steve Shelley lebten und arbeiteten zwar noch immer in Lower Manhattan, doch es war nicht mehr derselbe Ort wie Ende der Achtziger, als hier noch eine vitale Kunstszene blühte. New Yorks Bürgermeister Rudolph Guiliani hatte mit seiner Law-&-Order-Politik nicht nur die Kriminalitätsrate der Metropole entscheidend gesenkt, durch die gestiegene Sicherheit war Manhattan plötzlich auch für Investoren interessant geworden, die Mieten stiegen und die mittellosen Künstler wurden aus dem East Village verdrängt, ein Künstlerbiotop wurde trockengelegt.

Kim Gordon um das Jahr 2000 (Photo by Lex van Rossen/MAI/Redferns)
Kim Gordon um das Jahr 2000 (Photo by Lex van Rossen/MAI/Redferns)

Zur selben Zeit starben innerhalb weniger Monate zwei der wichtigsten Vertreter der literarischen Avantgarde der Stadt, Allen Ginsberg und Williams S. Burroughs. Es fühlte sich tatsächlich an wie die Apokalypse, und davon handelt das Sonic-Youth-Album „NYC Ghosts And Flowers“, der erste Teil einer Trilogie über die kulturelle Geschichte eines untergegangen Ortes mitten in New York City.

Besonders berückend gelingt es Lee Ranaldo im Titelstück, das Weltende in Worte und Töne zu fassen. Seine Erzählung beginnt mitten in der Nacht, das Telefon läutet, der Sänger geht ran, doch am anderen Ende der Leitung ist Stille. Irgendwie unheimlich, wie der Anruf eines Toten. Er muss an Lenny denken – an den Nachnamen kann er sich nicht erinnern.. „He’s turned to dust now, one of the chosen few“, singt er mit zugeschnürter Kehle. Seine Gedanken verlassen New York Richtung Ozean.



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