Woodstock. Ultimate Collector’s Edition


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Drei Tage in Bethel: Der wunderbare Film über die Mutter aller Festivals, jetzt in der Schmuck-Box mit Lederfransen.

Seit Woodstock ist jedes öffentliche Tun in der Natur zum Klischee verurteilt, als Zitat erkennbar. Der Kerl mit der Haschpfeife, der aus dem Toilettenhäuschen stolpert; der Polizist, der den jungen Leuten staatsbürgerliche Gesinnung attestiert und dann erklärt, er sei kein Polizist, sondern Polizeichef; das Pärchen, das sich umständlich auszieht und dann ungelenk hinter einem Strauch kopuliert?; der Anwohner, der sich über 15-Jährige, voll mit Pod, im Feld“ empört; der Bauer, der das niedergetrampelte Gras beklagt; die Nackten im See; der aufziehende Sturm und der Ruf „No rain, no rain, no rain!“ und wie dann alles verweht und aufweicht; die Rutschpartien im Schlamm; die Essensausgabe und wie man dorthin gelangt; der Chemie-Mann von der Mobilklo-Firma, der mit seinem Lastwagen vorfährt und Papier nachlegt; die Ansagen von Chip Monck (nicht der Geburtsname); die Warnung vor dem braunen Acid; die Helikopter, die Menschen und Nachschub einfliegen wie die Hubschrauber in Vietnam.

Aus Chaos, Pioniergeist, Experimentierwut, Zufall und jugendlichem Leichtsinn entstanden jene vier Stunden Film, die weniger eine Dokumentation sind als vielmehr selbst ein Happening. Die schwer tragenden Kameraleute um Michael Wadleigh kauerten auf Brettern vor der Bühne und bannten Momente wie Canned Heat und den Fan, der in Ekstase Bob „The Bear“ Hite die Zigarettenschachtel aus der Brusttasche zog. Die Crew für das Geschehen jenseits der Bühne filmte ein Szenario, das Gegenkultur auch für diejenigen definierte, die dabei an Gesindel denken. Für die Jubiläums-Edition wurden viele Auftritte ergänzt; Wadleigh, Michael Lang, Martin Scorsese, Thelma Schoonmaker, Fred Weintraub, Ten Years After und Sha Na Na erinnern sich, noch immer voller Staunen. They were stardust, they were golden.