Toggle menu

Rolling Stone

Back to top Share
Artikel teilen
  • Facebook
  • Twitter
  • Google+
  • Whatsapp
  • Email
Search

Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke: Happy Birthday, Bruce Willis!

Kommentieren
0
E-Mail

Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke: Happy Birthday, Bruce Willis!

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Erst die schmalen Lippen, dann die spöttisch hochgezogene rechte Augenbraue. Wie sehr diese Mimik zu Bruce Willis gehört, zeigt der Versuch von Joseph Gordon-Levitt, ihn in „Looper“ (2012) als jüngere Ausgabe zu spielen. Das sieht ganz lustig aus, und doch weiß jeder, dass nur Willis so was kann: Härte vorschicken, auf die Selbstironie folgt.

Walter Bruce Willis,  geboren vor 60 Jahren in Idar-Oberstein, Sohn eines G.I. und einer Deutschen, ist der berühmteste Glatzkopf Hollywoods. Die Rechnung geht ganz einfach: Je mehr Glatzkopf er wird, desto tougher die Rollen. Für den vierten „Stirb langsam“-Film (2007) seiner Signatur-Reihe durfte Willis dann endlich sein Toupet weglassen und als waschechter Meister Propper die Russen fertig machen.

Zu Beginn seiner Karriere war Willis noch auf komödiantische Darstellungen festgelegt, er spielte ab 1985 im Fernsehen neben Cybill Shepherd in „Das Model und der Schnüffler“.  Sogar im ersten „Stirb langsam“-Teil von 1988 war er noch mehr Sprücheklopfer als Action-Star, er rannte barfuß durch ein Hochhaus und erledigte mit allerlei psychologischen Tricks (natürlich auch mit einer Waffe) einen deutschen Terroristen mit dem verbindlichen Namen Hans Gruber. Mit seinen Dialog-gesteuerten Szenen initiierte Willis zudem die Abkehr Hollywoods von den Baller-Orgien, mit denen Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger das Jahrzehnt zuvor geprägt hatten. Allerdings war damit zunächst auch Willis’ Rolle festgelegt. Die der Gagmaschine, von der man im nächsten Moment Sprachklassiker wie „Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke“ (im Original „Yippie-Ka Yeah, Motherfucker“) erwartet.

Seinen Instinkt für Talente stellte Willis erstmals 1994 unter Beweis, als er, bereits zum Top-Star aufgestiegen, eine Nebenrolle in „Pulp Fiction“ übernahm, dem zweiten Werk des jungen Quentin Tarantino. In dem Ensemble-Film spielte er den Part des traumatisierten Boxers Butch, der sich den Schneid nicht abkaufen lässt. Er wurde dennoch zur zweiten Geige degradiert – eigentlich wollte Willis die Hauptrolle des Vincent Vega haben, die dem Comeback-Künstler John Travolta dann dessen zweite Oscar-Nominierung einbringen sollte. Umso mehr spricht es für Willis, dass ihm wichtig war überhaupt am Schaffen Tarantinos teilzunehmen. Bruce Willis in der SM-Folterkammer von Zed, geknebelt mit einem Tischtennisball – dieses Bild der Schwäche ist paradoxerweise zur Ikone geworden, in der vielleicht berühmtesten Szene seiner Karriere.

Mitte der Neunziger war Willis’ beste Zeit, er spielte in Luc Bessons kreativem Sci-Fi-Entwurf „Das Fünfte Element“ mit und in Terry Gilliams „12 Monkeys“ seine traurigste, beste Rolle. Der Action-Mann aus „Die Hard“ war erstmal passé. Als Willis dann nach „Pulp Fiction“ ein zweites Mal einem Regie-Talent vertraute und damit gewann, schien er endgültig seinen Riecher vergoldet zu haben: M. Night Shyamalans Horror-Drama „The Sixth Sense“ (1999) wurde sein größter Erfolg, und dass der Film einen der überzeugendsten Twists der Kinogeschichte bot, lag auch an Willis’ Darstellung eines Sinnsuchenden, den das Finale genauso erschüttert wie den Zuschauer.

Ein weiteres Mal noch trat er für Shyamalan auf, ganz ohne Ironie in „Unbreakable“ als Superheld, aber sein Händchen für Rollen hat er seit den 2000ern verloren. Vor allem die Action-Filme, „Tränen der Sonne“, „Hostage“ und die späten „Stirb langsam“-Streifen, haben ihn unterfordert. Harter Blick und polierter Schädel: Der Willis-Faktor allein sollte richten, was Drehbücher ihm nicht mehr bieten konnten. Er selbst nahm es mit Humor, seine wohl lustigste Nebenrolle ist die des „Bruce Willis“ in Steven Soderbergs grandiosem „Ocean’s Twelve“ (2004), als er wie ein Testosteron-Monster durch Julia Roberts’ Apartment stolziert und Matt Damon, der neben ihm wie ein Streichholz aussieht, dabei fast zu Tode erschreckt. 

Bruce Willis hat übrigens drei Töchter, alle sind mittlerweile erwachsen. Man möchte nicht der Junge gewesen sein, der beim ersten Date mit einer der jungen Frauen an der Haustür klingelt. Und dann von Vater Bruce auf Herz und Nieren geprüft wird.

Kommentieren
0
E-Mail

Nächster Artikel

Vorheriger Artikel