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CD: New Noises Volume 114

Der Songwriter-Pop der Stunde kommt aus Österreich, I Am Kloot zeigen, wie man einen guten Song schreibt und das Anxieteam schließt die Ukulele an den Laptop.


Rolling Stone New Noises Vol. 114 Foto: Rolling Stone Rolling Stone New Noises Vol. 114 01 Sie haben gerade mal ihr zweites Album veröffentlicht, doch klingt die Rockmusik der kanadischen Arkells so weltläufig, als hätten sie bereits mehrere Welttourneen hinter sich und würden nun Anlauf auf die großen Stadien nehmen. Dass sie die treffsicheren Riffs und großen Refrains lässig aus den Ärmeln ihrer Holzfällerhemden schütteln können, beweisen sie auch im seelenvollen "Where You Goin’", das Springsteen und Supremes gleichermaßen belehnt.

02 Weniger extrovertiert, sondern nach innen gekehrt, präzise auf die eigenen Stimmungen horchend, sind die Lieder des österreichischen Songwriters Bernhard Eder, der auf seinem wunderbaren Album "Post Breakup Coffee" eine schmerzliche Trennung verarbeitet. Eder besingt die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, wenn das dumpfe Gefühl des Verlusts langsam verebbt. "Long Way To Run" schafft den musikalischen Spagat zwischen Pulp und Elliott Smith.

03 Etwas beschwingter gibt sich das britische Trio I Am Kloot auf seinem mittlerweile siebten Album. "Some Better Days" verströmt die herrlich unbeschwerte Sonntagnachmittagsmelancholie eines Gilbert-O’Sullivan-Stücks. Da dürfte sicher auch Produzent Guy Garvey gestaunt haben, der sich hoffentlich für seine eigene Band Elbow gemerkt hat, wie man einen guten Song schreibt.

04 Zwischen luftigen Klangcollagen und verwehtem Country-Pop changiert das Debütalbum von Lord Huron. Hinter dem herrschaftlichen Pseudonym verbirgt sich der Künstler Ben Schneider, der sich nach einem Kunststudium und mehreren Selbstfindungstrips nach seiner Heimat Huron County im US-Bundesstaat Michigan benannt hat. "I Will Be Back One Day" feiert das Gefühl der Heimkehr nach überstandenen Prüfungen.

05 Die kanadische Sängerin Chloe Charles wuchs auf einem üppig bewaldeten und mit Skulpturen vollgestellten Grundstück ihres Großvaters auf, wo sie sich Melodien zum Quaken der Frösche ausdachte. Ähnlich versponnen gerät ihr Song "Business", in dem sie aus beiläufigen Alltagsbeobachtungen ein Großstadtmärchen macht. Und nebenbei kreuzt sie Kate Nash mit Joanna Newsom.

06 Die deutsche Band Tusq klingt dagegen wie ein Zwitter aus U2 und The Soundtrack Of Our Lives. Schon 2010 begeisterten die vier Hamburger mit einem tollen Konzert beim Rolling Stone Weekender. Durch Festival- und Support-Auftritte haben sie ihr Soundprofil weiter geschärft, wie man bei "Shortcut Through A Bottleneck" hört Ω mit großem "With Or Without You"-Spannungsbogen.

07 Nicht so kryptisch wie ihr Bandname kommt die Musik von zwei Kölnern daher: Seit mehr als zehn Jahren kreieren die beiden Künstler Simon Hof und Schöneich als Plus 49 verschiedenste musikalische Projekte, nahmen Musik für ein Hörspiel auf, komponierten das Sounddesign für den Flughafen Köln-Bonn und spielten zwischendurch immer mal wieder ein Album ein. Das Titelstück ihres neuen Werks "Bow & Arrow" ist ein kleines Meisterstück des schwerelosen Gitarren-Pop.   

08 Nanu, schon wieder Neues von Gisbert zu Knyphausen, wundert man sich nach den ersten paar Takten von Patrick Richardts Debütalbum "So wie nach Kriegen". Doch dann kommt "Ade, Ade", eröffnet ein klassisches Klavier-Motiv die hymnische Rockballade, bevor der Sänger zum großen Refrain anhebt und mit rauer Schnodder-Stimme fordert: „Reiß die Mauern ein! Jetzt oder nie!“ Udo Lindenberg und Jan Plewka heulen sich die Augen aus vor Neid.

09 In sinfonischem Pomp schwelgt die österreichische Band Naked Lunch auf ihrem aktuellen Album. Im Song „The Sun“ wird so ziemlich alles aufgefahren, was an instrumentalen und produktionstechnischen Mitteln zur Verfügung steht: Glocken, Pauken, Streicher. Springsteens „Outlaw Pete“ und der Orchester-Pop von The Divine Comedy stehen Pate. Und Phil Spector lässt grüßen.

10 Hinter Anxieteam stecken der britische Illustrator Jon Burgerman und der deutsche Pop-Art-Künstler Jim Avignon, die in ihrer grandios unernsten Musik Ukulele und Notebook verschmelzen. Ihr Song „Anxieteam“ ist durchgeknallt, witzig, intelligent Ω als würde man Damon Albarn, die Bloodhound Gang, The Streets und Sufjan Stevens für dreieinhalb Minut



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