- 06. Dezember 2011
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Interview: Moderator Alfred Biolek über den Coup, Kate Bush ins TV zu bringen
Der erste TV-Auftritt von Kate Bush – in "Top Of The Pops"? Nein – im Kölner Bundesbahn-Depot! Moderatorenlegende Alfred Biolek hatte die Debütantin 1978 in seine ARD-Show eingeladen. In unserem Interview erzählt er, wie es dazu kam.
Mit "50 Words For Snow" hat Kate Bush es eben wieder bewiesen: Sie ist nicht nur eine der unkonventionellsten, interessantesten Pop-Künstlerinnen der Gegenwart geblieben, sie hat damit auch noch Erfolg. In Großbritannien chartete die Platte auf Nummer fünf, in Deutschland auf sieben – sensationell für ein Album, das in sieben langen, komplexen Kompositionen den Zusammenhang von Schnee, Sex und Yeti-Jagd auslotet.
Wer hätte diesen Erfolg vor fast 34 Jahren vorhersagen können, als die 19-jährige Kate Bush mit ihrer ersten Single "Wuthering Heights" startete? Klare Antwort: Alfred Biolek, deutsche Showlegende und ultimativer TV-Koch. In der ersten Ausgabe seiner ARD-Musiksendung "Bio’s Bahnhof" sang die junge Kate am 9. Februar 1978 live – ihr allererster Fernsehauftritt überhaupt.
Im Rahmen des ROLLING-STONE-Specials zu Kate Bush in der Dezemberausgabe sprachen wir exklusiv mit Alfred Biolek über das historische Ereignis – hier in der ungekürzten Version.
Alfred Biolek, als am 9. Februar 1978 die erste Folge Ihrer
ARD-Show "Bio’s Bahnhof" übertragen wurde, war die 19-jährige Kate
Bush dabei. Waren Sie damals die deutsche Pop-Spürnase?
Sicher nicht. Mein Musikinteresse war immer nur zum
kleinen Teil von Pop bestimmt. Als Gymnasiast bin ich viel lieber
in die Oper und in klassische Konzerte gegangen. Und in meinen
Sendungen waren immer auch Klassik-Showacts dabei.
Wie sind Sie dann auf Kate Bush gekommen?
Ich hatte mich damals bei diversen Plattenfirmen umgehört,
welche Künstler sich für meine neue Show eignen könnten. Eines
Tages saß ich bei der EMI in London, alle möglichen Namen wurden
genannt – und plötzlich fiel mir ein Lied auf, das leise über die
Bürolautsprecher lief. Ich unterbrach das Gespräch, hörte zu. Und
war begeistert! "Wer ist das?" fragte ich, die sagten: "Eine ganz
neue Künstlerin, sie fängt gerade erst an." Und ich dachte mir, die
könnten wir doch einladen.
"Bio’s Bahnhof" war Kate Bushs erster TV-Auftritt
überhaupt. Ihre erste Single "Wuthering Heights" war noch nicht
einmal in die britischen Charts eingestiegen. Sie waren wirklich
weit vorn!
Das fand ich genial: Wenn diese Kate Bush noch nie einen
Fernsehauftritt hatte – dann soll sie bei mir anfangen! Sie kam
mitsamt ihrer Band nach Köln, schon zwei Tage vor der Sendung. Sie
und ihr Manager waren sogar bei mir zu Hause, ich habe für sie
gekocht.
Was gab es?
Das weiß ich nicht mehr. Ich weiß noch, dass sie sehr
zurückhaltend war. Zurückhaltend, nicht unbedingt schüchtern. Aber
es war auch ihre erste große Reise als Künstlerin.
Sie hat in der Show "Kite" und "Wuthering Heights" live
gesungen, anschließend fand das legendäre Interview statt
...
Ja. Ich sagte zu ihr, dass sie irgendwann mal in der Carnegie
Hall auftreten und dann den 15.000 begeisterten Fans sagen würde:
"Vergessen Sie nicht, den Anfang habe ich im Depot der
Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn gemacht!" Sie musste das dann
auf Deutsch nachsprechen. Nach der Show fragten alle: Wer war denn
diese tolle Künstlerin? Das war ihr Start in Deutschland.
Sie hatten recht mit der Prognose, dass sie ein Star werden
würde. Nur mit der Carnegie Hall hat es nicht geklappt.
Das stimmt, ich habe sie auch leider nie wiedergetroffen. Sie
hat sich zurückgezogen. Ihr Album "Aerial" habe ich mir gekauft und
gerne gehört, als es vor einigen Jahren erschien, aber auch da hat
man nicht gehört, dass sie irgendwo aufgetreten wäre.
Die Blume, die sie Kate Bush am Ende des Auftritts
überreichen, liehen Sie sich von einer Zuschauerin in der ersten
Reihe. Stand niemand mit einem Strauß bereit?
Damals nicht, es war ja die erste Sendung, später aber schon.
Ich weiß noch, wie Nina Hagen einmal in der Sendung war und ich sie
bat, kurz ihre Opernstimme vorzuführen – und sie stimmte die
"Internationale" an. Hinter der Bühne wartete ein Assistent mit
einem Strauß roter Rosen, und ich winkte ihm: Nein, weg mit den
Blumen! Direkt nach der "Internationalen" rote Rosen – das wäre
etwas zu bedeutungsschwanger gewesen!
Könnte eine junge Künstlerin wie damals Kate Bush heute
noch im deutschen Fernsehen auftreten?
Das kann ich nicht beurteilen. Aber ich glaube nicht.
Und wer Auftritt und Interview nun unbedingt mit eigenen Augen sehen will – hier ist er:
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