Nachbericht

Youtube-Star aus "Joey Quits" mit der What Cheer? Brigade in Berlin

Das Video "Joey Quits", in dem Joey DeFrancesco seinen Sklavenjob in einem Hotel kündigt und dazu seine Band - die What Cheer? Brigade – auffährt, machte ihn zum Youtube-Star. Gestern spielte er mit Band in Berlin. Wir waren vor Ort.

Es ist ein lauer Sommerabend und der Vollmond steht riesengroß leuchtend am Himmel über dem Senefelder Platz in Berlin. Im Bassy Cowboy Club tritt heute die neunzehnköpfige What Cheer? Brigade aus dem amerikanischen Örtchen Providence auf.

Ich frage mich, ob ich wohl die Einzige bin, die die Band nur durch ihren fulminanten Auftritt in dem 3,4 Millionen Mal angeklickten Youtube-Video namens "Joey quits" kennt, in dem Joey DeFrancesco, selbst Trompeter der Band, vor laufender Kamera seinen Job in einem Sklaventreiber-Hotel kündigt. Den Höhepunkt bildet die musikalische Einlage der Kapelle, die genau dann lautstark anfängt zu spielen, als Joey seinem Chef die Kündigung entgegen feuert. Diese Band musste ich unbedingt live sehen.

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Zunächst kann ich mir kaum vorstellen, wie eine Band diesen Ausmaßes in die überschaubaren Räumlichkeiten des Cowboy Clubs passen soll, zumal die raumgreifenden Instrumente und die tobende Publikumsschar eine zusätzliche Erschwernis darstellen dürften. Doch da marschiert die Brigade, ausschließlich aus Blas- und Schlaginstrumentalisten bestehend, auch schon unter kraftvollen Balkanrhythmen ein.

Auf der Bühne platzieren sich so viele, wie eben möglich, der Rest mischt sich unters Volk. Binnen weniger Augenblicke hat das Publikum Feuer gefangen. Trompeten, Tubas und Posaunen harmonieren perfekt miteinander, die Trommler bilden das virtuose Fundament. Ich bin beeindruckt von dieser musikalischen Koordination. Die What Cheer? Brigade ist eben keine beliebige Gurkentruppe, die lediglich Partystimmung verbreiten soll, obwohl ihr dies ausgezeichnet gelingt.

Eine mitreißende Performance. Wild wirbeln die Musiker durch den Zuschauerraum, oft muss ich den bedrohlich heran nahenden Schlägen eines Posaunenzuges oder Drumsticks weichen. Wie Schlangenbeschwörer hypnotisieren die Bläser das Publikum und animieren eindringlich zum Tanz. Ihre Inbrunst ist ansteckend, wer hier nicht mitgeht, muss tot sein. Zum krönenden Abschluss gibt es eine Gemeinschaftspolonaise durch ein Huckepack-Spalier. Alle sind restlos begeistert. So stelle ich mir einen gelungenen Abend vor!



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