Clemens Meyer :: Gewalten – Ein Tagebuch

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

„Ein Tagebuch“ soll das sein, weil Erzählungen, noch dazu autobiografische, Buchhändler zum Stöhnen und Verleger zum Weinen bringen. Ein bisschen verzahnt sind diese elf eher impressionistischen, handlungsarmen, erstaunlich unspannenden Geschichten durch gelegentliche Redundanzen: dass Meyers Hund alt und krank ist, erfährt man gleich mehrfach, am Ende wird er dann vom Tierarzt eingeschläfert, und das ist auch die anrührendste Szene des Buches.

Hier ist er mal authentisch und ganz bei sich, die meisten anderen Stories kranken schlicht an seiner ewigen, aufgesetzten Dicketuerei. Man merkt Meyer einfach zu sehr an, dass er die ihm vom Literaturbetrieb zugewiesene Rolle des dirty young man, des zynisch-abgefeimten Zonen-Bukowskis um jeden Preis ausfüllen will. Suff, Randale, Pferderennen, Huren, alles da.

Warum denkt Campino, dass es manchmal gut ist, einfach mal den Mund zu halten? Antwort liefert er in unserer Titelgeschichte zum großen Abschied der Toten Hosen. Dem Heft liegt weltexklusiv die 7-Inch-Single „Immer nur geliebt“ bei. Die ROLLING-STONE-Ausgabe gibt es hier bequem zum Bestellen.