111 Songs: Kettcar – „Im Taxi weinen“

Es ist nicht so, als hätte man so was nie gehört. Im Gegenteil. Man erkennt Bruchteile, Hinweise, Referenzen sofort wieder. Ein altes, doofes Sprichwort hier, ein Oasis-Zitat da. Man weiß, wovon Kettcar erzählen, und wundert sich doch immer wieder darüber, dass einen das eigentlich Bekannte so anrührt – und wie man aus ein paar Wörtern so viel Erkenntnis ziehen kann, bei kompletter Abwesenheit von Arroganz oder Schlaumeierei. Genau das macht die Kunst dieser Band aus. Und die Musik dazu ist auch nicht schlecht!

Dabei sah die Karriere von Kettcar anfangs gar nicht so vielversprechend aus. Als keine Plattenfirma ihr Debüt haben wollte, gründeten die beiden Haupt-Songschreiber, Sänger Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff, mit ihrem Kollegen Thees Uhlmann (Tomte) einfach eine eigene: das Label Grand Hotel van Cleef. 2002 erschien „Du und wieviel von deinen Freunden“, ein Album, das – nicht nur wegen „Landungsbrücken raus“ – eindeutig in Hamburg verankert ist und doch nichts mit der Hamburger Schule zu tun hat. Stattdessen haftete Kettcar lange das Etikett „ befindlichkeitsfixiert“ an – ein paar Zeilen von „Im Taxi weinen“ sei dank: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint/ In Empfindsamkeit vereint/ Ein befindlichkeitsfixierter Aufstand/ Hetero und männlich, blass und arm/ Weil wir bleiben, wie wir waren …“ Das Lied beschreibt schonungslos und doch so tröstlich, wie wenig wir aus unseren Fehler lernen, und am Ende gibt es naturgemäß mehr Fragen als Antworten.

Vier Alben lang haben Kettcar ihre Lieder vom Leben, das alles ist, nur nicht klein und scheiße, weiterentwickelt – mal, auf „Sylt“ , klangen sie düster, dann, auf „Zwischen den Runden“, wieder optimistischer. Mitgenommen haben sie einen jedes Mal. Momentan legt die Band eine Pause ein, doch 2014 wird das Soloalbum von Marcus Wiebusch darüber hinweghelfen.


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