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111 Songs: Kolossale Jugend – „Bessere Zeiten“


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Die Texte waren oft kryptisch – halb bekloppt, halb genial –, doch der Ton, den die Band anschlug, war unmissverständlich. Sie rockte frei nach dem Motto: Laut und indirekt. Ihren Zorn hatte sie im Griff, er blieb stets fernab jeder Marktkompatibilität. Ihr Spiel war druckvoll und mitreißend. Ende der 80er-Jahre brachte die Kolossale Jugend – so benannt nach dem Titel eines Songs der Young Marble Giants – eine neue Ausdruckskraft in die deutschsprachige Popmusik.

Was Kristof Schreuf, der zuvor bei der AC/DC-Revivalband Bon Scott aktiv gewesen war, sang und belferte, war nicht leicht zu entschlüsseln. Doch seine Verse blieben im Gedächtnis, wo man sie hin und her drehen konnte wie einen Zauberwürfel, allerdings ohne das Rätsel je zu knacken: „Bruch in allem, pausenlos/ Fetzen auf dem Tisch im Haus/ Bessere Zeiten klingt gut.“

Und wie gut „Bessere Zeiten“ klingt! Ein Song, der jede Flasche hochleben lässt, erschienen auf dem wunderbar grobschlächtigen Debütalbum „Heile heile boches“. Das war Indie-Rock, wie ihn derart eindringlich und widerborstig damals sonst nur amerikanische oder britische Gruppen hinbekamen. Lärmpop par excellence. Mit den verklausulierten, assoziativen Lyrics und dem schroffen, postpunkigen Sound wurde die Kolossale Jugend zu einem der ersten Aushängeschilder von L’age d’Or – Gitarrist Pascal Fuhlbrügge war Mitbegründer des lange Zeit angesagten Plattenlabels – und schließlich zum Vorreiter der sogenannten Hamburger Schule.

Zum Abziehbild des intellektuellen, gutbürgerlichen Aufrührers, von denen die Hamburger Schule nicht wenige hervorbrachte, taugte das Vierergespann allerdings nicht. Das kurz nach der Wende erhältliche Band-T-Shirt zierte der Spruch: „Halt’s Maul Deutschland!“ So einfach kann das also sein. Und ob die Zeiten seitdem besser geworden sind, steht weiterhin in Frage.


Barack Obama im Interview mit dem ROLLING STONE

Bevor die Aufnahmegeräte am 11. Oktober eingeschaltet wurden, plauderte Interviewer Douglas Brinkley mit Barack Obama über den „Bronco Buster“, die Skulptur von Frederic Remington, die neben seinem Schreibtisch steht und einmal Theodore Roosevelt gehörte. Doch als der Smalltalk zu viel der kostbaren Zeit konsumierte, übernahm der Präsident das Kommando: „Okay“, sagte er bestimmt, „schießen Sie los.“ Als wir das Oval Office wieder verlassen, erwähnt RS-Redakteur Eric Bates gegenüber Obama, dass er seine sechsjährige Tochter gefragt habe, ob es irgendetwas gäbe, das er dem Präsidenten ausrichten solle. Nach längerem Überlegen meinte sie: „Sag ihm: You can do it.“ Obama grinst: „Das…
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