25 Jahre „Blue Lines“ von Massive Attack: Jetzt mal gaaanz langsam

1989, 1990, 1991 – drei heftige Jahre der politischen Zeitenwende. Mauerfall in Berlin, tschüss DDR, zerbröselnder Ostblock und Da Swindanja Sowjetunion. Im weiten Feld der Popmusik waren elektronische Sounds schwer auf der Überholspur. Günstige Technologie und der Siegeszug des DJs als Zeremonienmeister der Nacht brachten einen dramatischen Kreativschub in diesen Genres. Neben den immer schneller werdenden Hochgeschwindigkeits-Orgien im Techno ging es auch in der anderen Richtung rund. Von 180 bis 75 Beats per Minute. Alles war auf Weißmuster in den Spezialshops erhältlich. Die in Kleinst-Auflagen hergestellte 12-Inch-Vinylscheibe war plötzlich das Maß der (Musik)Dinge.

Nicht erst seit dem weltweiten Erfolg des Londoner Soundkollektivs Soul II Soul um Mastermind Jazzy B wurde längst auch mit einer neuen Langsamkeit experimentiert, wie sie man bislang eher aus dem Modern Soul oder dem Reggae kannte. „Back To Life (However Do You Want Me)“ mit Vokalistin Carol Wheeler war Blaupause für einer relaxten Groove, der ab dem Sommer 1989 aus jeder besseren Boutique erklang. Der Boden für das, was in den Neunzigern einmal TripHiop heißen sollte, war bereitet.

Wild Bunch aus Bristol

Doch dann wehte im Frühjahr 1991  aus der westenglischer Hafenstadt Bristol die „Unfinished Symphony“ ins Popzentrum herüber. Eine erdrutschartige Produktion von Robert „3D“ Del Naja, Grantley „Daddy G“ Marshall und Andrew „Mushroom“ Vowles. Drei schluffige Typen, die bereits ein Jahr zuvor das getragene „Daydreaming“ veröffentlicht hatten. Wild Bunch nannte sich die schwarz-weiße Musikgang, bei der auch der Kollege Tricky am Start war.

Vorboten zum Album „Blue Lines“. Als das Albumcover in Packpapier-Ästhetik mit dem „Vorsicht, brennbare Materialien“-Aufdruck schließlich im Sommer herauskam, erschloss sich plötzlich ein neues Dub-Dancefloor-Universum. Der Vokalisten-Ansatz des amerikanischen HipHop wurde durch den Filter der britischen Rare-Groove-Clubkultur gejagt. Im Eröffnungstrack „Safe From Harm“ singt Brit-Diva Shara Nelson über einen allgegenwärtigen Murmel-Rap. Auch Neneh Cherry ist dabei, beim Song „Hymn Form The Big Wheel“. Soulwiedergänger Horace Andy wiederum übernahm das extrem getragene „One Love“.

Die Massive-Attack-Crew fächerte dazu mit Akribie die Produktionsarbeit auf, in der Adjektive wie „düster“, „melancholisch“ bis hin zu „ergreifend“ die vielfältigen Klangfarben nur unzureichend beschreiben. Typisch auch, dass Massive Attack mit dem Soulklassiker „Be Thankful For What You Got“ von William DeVaughn ihre profunde Kenntnis des Metiers bewiesen. „No Filler, Just Killer“, wie der Engländer sagt. Ein 100-Prozent-Hitalbum. Nicht umsonst gilt „Blue Lines“ in vielen internationalen All-Time-Favourites-Listen als eines der besten Dance-Alben aller Zeiten.


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