Mauern mit Rocko Schamoni

Der Songwriter und Bestseller-Autor über Musik-induzierte Schockzustände und Mauern der Liebe.

„Mauern! Mauern! Mauern! Mauern!“ Was heutzutage an gescheiterte Pläne eines gescheiterten US- Präsidenten denken lässt, war im Jahr 2005 Schlachtruf der Titanic-Partei „Die PARTEI“, die sich (satirisch) für die Wiedererrichtung der innerdeutschen Mauer einsetzte, und den Song „Mauern“ des Hamburger Allround-Talentes und Parteimitglieds Rocko Schamoni zur Wahlkampfhymne erkor. „Wir wollen eine Mauer bau’n“, singt Schamoni da empathisch, „Wir brauchen eine Mauer im Kopf/ Wir müssen eine Mauer errichten/ Eine Mauer der Liiiiiiebe/ Komm, lass uns eine Mauer bauen/ Wir brauchen eine Mauer im Herz/ Wir müssen uns zu Mauern trauen/ Dann sind wir alleine.“ Im Interview enthüllt der Bestseller-Autor („Dorfpunks“, „Große Freiheit“), der nächste Woche seinen fabelhaften neuen Roman „Der Jaeger und sein Meister“ veröffentlicht, die Inspiration hinter diesem vielgedeuteten Song: Es ging – auch das ist natürlich sehr deutsch – um ein Badehandtuch.

Dein Song „Mauern” wurde pünktlich zur Bundestagswahl 2005 zur Wahlkamphymne der PARTEI. Diese verschrieb sich damals in ihrem (satirischen) Parteiprogramm dem Wiederaufbau der Mauer. Inwiefern hat das Lied tatsächlich etwas mit der innerdeutschen Grenze zutun?
Das Lied habe ich am Strand geschrieben, als Jochen Distelmeyer neben mir auf meinem Handtuch lag und ich eine Grenze zwischen uns ziehen wollte. Die eigentliche Dimension habe ich erst Jahre später begriffen.

Wie hast Du den Fall der Mauer erlebt?
Alleine in meiner Wohnung in der Hamburger Schanze, nachts, ich war tatsächlich sehr aufgeregt. Mir schwante nichts Gutes. Ich Nachhinein würde ich sagen: Falsch geschwant.

Gibt es einen bestimmten Ort in Berlin, der Dich persönlich an die Mauer und die Zeit vor ihrem Fall denken lässt?
Nein. Vielleicht der Glienicker See, der direkt an der Mauer lag und an den mich meine Geliebte damals nachts entführte. Küsse im Angesicht des Unrechtsstaates.

Inwiefern hat Dich die Zeit der Wende als Musiker beeinflusst?
Ich verstehe die Frage nicht wirklich. Ich bin immer von der jeweiligen Musik der Zeit beeinflusst. Die Zeit der Wende war für mich musikalisch nicht spannender als die Zeit davor oder danach. Das einzige, was mich an der Wendezeit musikalisch schockiert hat, war „Winds of Change“. Und natürlich „I‘ve Been Looking For Freedom“.

Momentan entstehen wieder alle möglichen Playlists zum Thema Mauer, Du kommst mit „Mauern” in der aktuellen Aufstellung vom Rolling Stone vor. Was ist Dein Soundtrack anlässlich 60 Jahre Mauerbau?
Ich würde diesem Ereignis keinen allzu großen musikalischen Wert zumessen. Ich werde auf jeden Fall zu diesem Jubiläum nicht „Heroes“ oder ähnliche Songs hören. Dann hör ich lieber „Metamusik“, die neue Platte von Nepumuk und Retrogott.

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