Delbert McBride: Der Künstler, der Udo Kiers Herz im Stillen hielt

Jahrelang blieb er unsichtbar: Delbert McBride, Maler aus Pittsburgh und Udo Kiers Lebenspartner. Jetzt rückt der Künstler ins Licht – die Geschichte einer stillen Liebe.

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Udo Kier drehte Anfang der 1970er im römischen Filmstudio „Cinecittà“ mit Andy Warhol dessen „Frankenstein“-Saga. 1973 zog er vorerst wieder in seine Heimatstadt Köln. „Ich lief Warhol-like mit einer Plastiktüte durch die Galerien und lernte Künstler wie Blinky Palermo, Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Rosemarie Trockel kennen“, erzählte er im Interview.

Er wohnte in einem ehemaligen Umspannwerk der örtlichen Verkehrsbetriebe im unhippen Stadtteil Ostheim zusammen mit den Künstlern Michael Buthe und Marcel Odenbach, der früh mit Avantgarde-Videos experimentierte. In der Doku „Arteholic“ redet Kier über diese Ära: „Vor meinem Fenster stand ein Birnbaum. Wenn’s mir nicht so gut ging, etwa nach Rainer Werner Fassbinders Tod, saß ich am Fenster und habe den Birnbaum betrachtet.“

Mit dem jungen Rainer Werner Fassbinder hängt Udo Kier in der Kölner Thieboldsgasse am Neumarkt ab. Der verstorbene Regisseur Walther Bockmayer, Gründer der queeren Theaterkneipe „Filmdose“ im Uni-Viertel, besetzt ihn für seinen Film „Victor“ als Popstar. Später zieht Kier endgültig an die US-Westküste.

Der Mann im Hintergrund

Mit der Nachricht vom Tod Kiers am 23. November gerät nun sein Lebenspartner Delbert McBride, der sein Ableben bestätigte, in den Fokus der internationalen Medien. Da McBride zumeist im Hintergrund blieb, gab es anfangs einige Verwirrung um den namensgleichen US-Historiker Delbert „Del“ McBride, der mit Kier nie etwas zu tun hatte.

Der „richtige“ McBride stammt aus der Industriestadt Pittsburgh und entdeckte früh seine Leidenschaft für die bildende Kunst. Nach seinem Studium an der Carnegie Mellon University, inspiriert unter anderem von Picasso, zog er nach Los Angeles, wo er erste Schritte in der dortigen Kunstszene machte. Seine Malerei beschreibt der Afroamerikaner als „Erkundung von Licht und Dunkel“, oft geprägt von ineinander fließenden Motivschichten, die sich für den Betrachter erst im Nachhinein entwirren.

Später ließen sich Kier und McBride im Raum Palm Springs nieder – eine Verbindung zwischen Film-Avantgarde und bildender Kunst, die für beide prägend war. Kier unterstützte seinen Partner wiederholt, unter anderem bei der Ausstellung „Going Solo“ in der Shawn Savage Gallery in Palm Springs, die rund 60 Werke McBrides zeigte.

Beziehung jenseits des Rampenlichts

Es war eine Beziehung jenseits des Rampenlichts. Wie lange die beiden zusammen waren, ist bislang nicht bekannt.

Ein Umstand, der gut zu Kiers generellem Umgang mit „Privat“ und „Öffentlich“ passt. Wiederholt lehnte er das Label „schwule Ikone“ ab. Kunst und Rollen seien größer als Kategorien, betonte er stets. Diese Haltung spiegelte sich auch in ihrem gemeinsamen Leben wider: zwei Künstler, die sich gegenseitig Raum gaben, ohne die Beziehung öffentlich zu inszenieren.

Mit Kiers Tod rückt Delbert McBride stärker in den Fokus – nicht als Anhängsel eines ungewöhnlichen Stars, sondern als eigenständiger Künstler, der einen wichtigen, oft unterschätzten Beitrag zu Kiers später Lebensphase geleistet hat. Ein US-Kunstkritiker bemerkt, dass seine Arbeiten wie visuelle Nachhall-Räume eines gemeinsamen Lebens wirken.

Im Kölnischen Kunstverein lief bereits im zweiten Halbjahr 2024 die Ausstellung „Udo is Love. Zeit ist die Sünde – Eine Reise in das unfassbare Leben des Udo Kier“, welche die mannigfaltige Verbindung Kiers zur bildenden Kunst in zahlreichen Exponaten thematisierte. Die Werke von McBride spielten hier keine Rolle.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.