So berichtet der US-ROLLING-STONE über den Tod von Francis Buchholz

Auch der amerikanische ROLLING STONE trauert um Scorpions-Bassist Francis Buchholz

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Francis Buchholz ist tot. Der ehemalige Bassist der Scorpions erlag im Alter von 71 Jahren einem Krebsleiden. Nicht nur hierzulande, auch im Ausland trauert man um den Musiker einer der erfolgreichsten Bands, die je aus Deutschland kamen.

Kory Grow schreibt in einem Nachruf auf Buchholz: „Francis Buchholz, der Bassist der Scorpions während ihrer größten Erfolge mit Songs wie „Rock You Like a Hurricane“ und „Wind of Change“, ist am Donnerstag nach einem Kampf gegen Krebs gestorben. Das teilte seine Familie in einem Social-Media-Post mit. Er wurde 71 Jahre alt.

„Er hat diese Welt friedlich verlassen. Umgeben von Liebe“, schrieb seine Familie. „Während seines Kampfes gegen den Krebs standen wir ihm zur Seite und haben jede Herausforderung gemeinsam gemeistert. Genau so, wie er es uns beigebracht hat.“

Abschied eines prägenden Musikers

„An seine Fans auf der ganzen Welt. Wir danken euch für eure unerschütterliche Loyalität, eure Liebe und das Vertrauen, das ihr ihm auf seinem unglaublichen Weg geschenkt habt“, hieß es weiter. „Ihr habt ihm die Welt gegeben. Und er hat euch seine Musik zurückgegeben. Auch wenn die Saiten nun verstummt sind, lebt seine Seele in jeder Note weiter, die er gespielt hat. Und in jedem Leben, das er berührt hat.“

Buchholz’ wuchtiges, zugleich kontrolliertes Bassspiel trug entscheidend zum Sound von „Rock You Like a Hurricane“ aus dem Jahr 1984 bei.Er setzte in einem für Exzesse bekannten Genre auf ungewöhnliche Zurückhaltung. Sein druckvoll-geschmackvolles Spiel ergänzte auch andere Hard-Rock-Hits wie „No One Like You“, „Big City Nights“ und „Blackout“.

Der Sound hinter den Klassikern

Obwohl „The Zoo“ von allen fünf Bandmitgliedern getragen wird, ist es Buchholz’ Bass, der den langsamen, bedrohlichen Puls des Songs antreibt. Ebenso ließ sein zurückhaltendes Spiel einer Ballade wie „Wind of Change“ den Raum, weltweit Platz eins der Charts zu erreichen.

Als Buchholz zur Band stieß, hatten die Scorpions bereits mehrere Jahre mit einem anderen Bassisten hinter sich. Geboren wurde er am 19. Januar 1950 in Hannover, Westdeutschland. Sein erstes Album mit der Band war deren zweite LP „Fly to the Rainbow“ aus dem Jahr 1974.

Durchbruch nach schwierigen Jahren

Während der gesamten Siebzigerjahre tat sich die Band schwer, ein großes Publikum zu erreichen. Erst 1979 fanden die Scorpions mit dem Album „Lovedrive“ – dem ersten mit Leadgitarrist Matthias Jabs – die richtige Formel. Entscheidenden Anteil daran hatten auch eine bessere internationale Distribution der Platten und ein klarerer Sound.

Buchholz hatte an der Universität Hannover Licht- und Tontechnik studiert und bereits ein Jahr zuvor das Unternehmen Rock Sound mitgegründet. Dort stellte er Bands, darunter auch den Scorpions, Bühnen- und Backline-Equipment zur Verfügung.

Aufstieg zur Metal-Dominanz

Die Kombination aus kraftvollen Riffs, den markanten Vocals von Frontmann Klaus Meine und Buchholz’ grundsoliden Rhythmen ebnete den Weg zur Heavy-Metal-Dominanz der Achtzigerjahre. Jedes Album verkaufte sich in den USA besser als das vorherige: „Blackout“ (1982) erreichte Platz 10 und wurde mit Platin ausgezeichnet, „Love at First Sting“ (1984) ging bis auf Platz 6 und erhielt Dreifach-Platin, „Savage Amusement“ (1988) schaffte es auf Platz 5.

Im selben Jahr wurden die Scorpions die erste Metal-Band, die durch die Sowjetunion tourte. 1989 kehrten sie zurück und traten beim Moscow Music Peace Festival gemeinsam mit Bon Jovi und Ozzy Osbourne auf.

Der Abschied nach „Wind of Change“

Ironischerweise erreichte „Crazy World“, das letzte Album der Band mit Buchholz, trotz des Welterfolgs von „Wind of Change“ im Jahr 1990 nur Platz 21 der US-Charts. Der Song wurde auch auf Russisch veröffentlicht und führte zu einem Treffen mit dem damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow.

1992 verließ Buchholz die Band. Er hatte sich unter anderem um die geschäftlichen Angelegenheiten der Scorpions gekümmert und erklärte später in einem Interview von 2008, dass der Ausstieg eine einvernehmliche Entscheidung gewesen sei, ausgelöst durch einen kompletten Wechsel im Management-, Anwalts- und Steuerteam. Unzufrieden mit der Situation entschied er sich, sich zurückzuziehen und sich auf seine Familie zu konzentrieren.

Rückkehr zur Musik und späte Würdigung

Mitte der 2000er-Jahre kehrte Buchholz zur Musik zurück, tourte mit dem ehemaligen Scorpions-Gitarristen Uli Jon Roth und schloss sich schließlich der Band Dreamtide an, die 2008 das Album „Dream and Deliver“ veröffentlichte. Später arbeitete er erneut mit einem früheren Weggefährten zusammen: Michael Schenker, mit dessen Band „Michael Schenker’s Temple of Rock“ er tourte und Aufnahmen machte.

In dem Interview von 2008 zeigte sich Buchholz stolz auf sein Vermächtnis. Er erinnerte sich besonders an den Auftritt der Scorpions beim US Festival 1983. „Ich hörte mir meine Basslinien an und stellte fest: Ja, ich hatte sie genau so gespielt, wie sie gespielt werden mussten“, sagte er. „Beim Anschauen dieser Live-Aufnahme spürte ich die positive Kraft jener Tage und die Einheit, die wir auf der Bühne erzeugen konnten. Das im Fernsehen zu sehen, war all die Jahre später ein Moment großen Stolzes für mich.“