Pappkrönchen & Jazz: Wie Laufey die Gen Z verzaubert
Streicher und Märchenästhetik: Laufeys „Goddess“-Tour zeigt, warum die Gen Z für Jazz und Retro-Romantik brennt. Jetzt die Review lesen.
Donnerstagabend (26. Februar) spielt Laufey in der Wiener Stadthalle. Ausverkauft natürlich, wie schon zuletzt im Berliner Velodrom, und demnächst auch in Brüssel, Amsterdam, Paris und Manchester. Ein federleichter Triumphzug durch Europa.
Mit ihrer Melange aus Jazz- und Klassik-Pop ist Laufey in wenigen Jahren zu einer der prägendsten Stimmen ihrer Generation avanciert. Sie wird in diesem April 27 Jahre alt.
Knapp sieben Milliarden Streams weltweit, mehr als 25 Millionen Follower auf Social Media, mehrere Platinauszeichnungen und das erfolgreichste Jazz-Debüt auf Spotify markieren ihren raketenartigen Aufstieg. Im US-Promi-Magazin „Forbes“ steht sie in der „30 Under 30“-Liste; im „Time“-Magazin gehört sie zu den „Women of the Year“.
Nach einer ausverkauften Nordamerika-Tour 2025 wird sie damit zu einem kulturhistorischen Paradox, getrieben von ADHS-Plattformen wie TikTok. „Laufey bringt den Jazz zurück – und zwar zur Gen Z“, lautet eine der oft bemühten Überschriften.
Die auffallend jungen Gesichter sowie die entsprechende Kostümierung mit feenhaften Disney-Musical-Röcken und Pappkrönchen, die im Berliner Velodrom anzutreffen waren, visualisieren das Phänomen.
Eine präzise Revue in vier Akten
Laufeys Live-Ansatz ist eine ambitionierte, präzise Revue, unterteilt in vier thematische Blöcke, die nahtlos ineinander übergehen. Inspiriert von Ella Fitzgerald und anderen Granden verbindet sie Jazz-Balladen mit perlendem Bossa Nova, kammermusikalischen Streichersätzen und einem Hang zum cineastischen Drama. Rund 15 Musikerinnen und Musiker stehen im Wechsel auf der Bühne; Tänzerinnen betanzen die Chefin, die mal Gitarre spielt und dann wieder am Flügel sitzt.
Ihre klare, warme, technisch versierte Stimme steht im Zentrum – wenn sie nicht gerade länglich humorige Ansagen macht. „Talking too much about people, who are talking too much“ ist einer von diesen In-Jokes. Und meint natürlich auch sich selbst damit.
Seht her, so bin ich eben! Das Teenager- und Twen-Publikum frisst Laufey aus der Hand.
Märchenreich in der Betonhalle
Die aktuelle „Goddess“-Tour entwirft ein ästhetisches Märchenreich in einer nüchternen Beton-Sporthalle mit fest installierter Radrennbahn. Sie setzt eine geschwungene Showtreppe dagegen, auch eine verträumte Schaukel gehört dazu. Mit wallendem Gewand und feiner Gestik bewegt sie sich durch dieses Setting – herzlich im direkten Kontakt mit dem Publikum, zugleich stilisiert zur Schneewittchen-haften Projektionsfigur.
Ihre Ästhetik verweist auf Epochen der Pophistorie, die ihre Fans nie „authentisch“ erlebt haben. In ihren Texten singt sie im Swing ihrer Generation über Liebeskummer, Selbstzweifel, Selbstermächtigungs-Gedöns.
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In „Snow White“ geht es gegen handelsübliche weibliche Schönheitsideale. Ihr neues Album, erzählt sie auf der Bühne, sei direkt aus ihrem Tagebuch entstanden. Oft werde Frauen zugeschrieben, entweder süß und sanft oder wütend zu sein – sie habe lange ihre süße Seite gezeigt und wolle nun auch ihrer Wut Raum geben. Entsprechend folgt ein Song über das In-die-Tonne-Treten einer üblen Beziehung.
Sie jongliert zwischen sanft emanzipatorischen Botschaften und einer bewusst märchenhaft-klassischen Inszenierung. Widerspruch oder raffinierte Pointe?
Bemerkenswert auch die allgemeine Atmosphäre: kein Kreischalarm, sondern ein vielstimmiger, wie antrainierter Chor, der die Künstlerin durch den Abend trägt.
Laufey beweist „on stage“, dass Virtuosität, orchestrale Opulenz und Klassik-Schlenker auch und gerade im alles-ist-möglich-Jahr 2026 wunderbar funktionieren – zwischen kuscheliger Tagebuch-Intimität und einer möglichst großen Bühne. The Sky is the Limit. Wo das alles einmal enden wird, ist beileibe nicht abzusehen.