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Willanders WeltKolumne

Jetzt schwenk ich den Sombrero

Weshalb ich mich sogar auf diese Fußballweltmeisterschaft freue.

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Bei meiner ersten Fußballweltmeisterschaft gewann Deutschland 1974 nach holprigen Spielen, nach einer Wasserschlacht und einer Niederlage gegen die DDR das Turnier. Außerdem waren die Holländer besser, und Bernd Hölzenbein hat sich im Strafraum fallen lassen. Das alles war egal, als Franz Beckenbauer den Pokal in die Höhe stemmte.

Vier Jahre später sang Udo Jürgens: „Buenos días Argentina, er war lang, mein Weg zu dir/ Doch nun schwenk ich den Sombrero/ Ich bin hier!“ Beckenbauer und Gerd Müller waren in die USA ausgewandert, und die Niederlage gegen Österreich war eine Beleidigung. Dieser Hans Krankl! Jahrelang aß ich keine Mozartkugeln mehr. Der Bundestrainer trat zurück, Udo Jürgens sang: „Der Mann mit der Mütze muss gehen.“

Vielleicht hätte Udo Jürgens die Mannschaft übernehmen sollen, die sich 1982 unter Jupp Derwall durch das Turnier in Spanien kämpfte, angeführt vom mosernden Paul Breitner.

Vom Kaiser-Kult zum Sommermärchen

Zur WM in Mexiko war Franz Beckenbauer wieder da, jetzt als Teamchef. Er hatte keinen Trainerschein. Als Kaiser und Lichtgestalt brauchte er den nicht. Der zweite Torhüter Uli Stein nannte ihn „Suppenkasper“ und musste abreisen. Man kam mühsam bis ins Finale, in dem Maradona reüssierte. Damals wurde das Frühstücksfernsehen erfunden, denn die Spiele fanden in der deutschen Nacht statt.

Ebenso war es 1994 in den USA, als die Mannschaft des glücklosen Berti Vogts früh ausschied. Dazwischen war der Triumph von Rom 1990, als mancher behauptete, die vereinte Nationalmannschaft sei auf Jahre hinaus unschlagbar. Es waren dann ungefähr zwei Jahre. Dann war Sommermärchen, Beckenbauer im Hubschrauber, Deutsche glücklich.

Die XL-WM im Zeichen von Soccer, Trump und Curaçao

Nun kehrt die Fußballweltmeisterschaft auf den amerikanischen Kontinent zurück. Es nehmen so viele Mannschaften an dem Turnier teil, dass die Schauplätze über drei Länder verteilt sind, die nicht unbedingt als fußballbegeistert gelten. Von den Kanadiern weiß man, dass sie sehr gut Eishockey spielen können. Man weiß nicht, ob sie eine Fußballnationalmannschaft haben. Vielleicht ein College-Team.

In den USA gibt es mindestens vier Sportarten, die viel populärer sind als Soccer, obwohl das Frauenteam zu den besten der Welt gehört. Die Mexikaner dagegen überschlagen sich vor Freude, doch ihre Mannschaften agieren oft erratisch.

Das bringt uns zu Donald Trump, der im letzten Jahr bei einer Art Vorglühen einen von FIFA-Präsident Gianni Infantino erfundenen Friedens-Eumel verliehen bekam. Trump grapschte gleich umstandslos nach dem Preis, bevor Infantinos Laudatio beendet war. Trump war anzusehen, dass er sich für Soccer überhaupt nicht interessiert und sich fragte, weshalb all diese Europäer und Südamerikaner so weihevoll taten. Ist ja nicht Super Bowl.

Gleichwohl gibt es neben Infantinos offiziellem Preis für das Finale von moderaten 10.000 Dollar auch ein inoffizielles Angebot von zwei Millionen Dollar. Zwar wissen wir von „Bares für Rares“, dass nicht alle Angebote den tatsächlichen Marktwert spiegeln. Aber man kann es ja mal versuchen.

Viele Spiele finden tief in der europäischen Nacht statt, zum Beispiel Australien gegen Türkei, da ist sogar schon Morgen. Aber Deutschland hat Glück. Der Klassiker gegen Curaçao wird um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Houston angepfiffen und die Vorrundenspiele gegen die Elfenbeinküste in Toronto und Ecuador, entweder in New York oder New Jersey, immerhin um 22 Uhr. Das hat Gianni Infantino gut gemacht!

Traditionell werden die angemieteten Quartiere ebenso beurteilt wie die Leistungen der deutschen Mannschaft. 1974 war die Meuterei in der Sportschule Malente. Heute ist meistens eine Kamera dabei, wenn die Kameraden eingeschworen werden. Gibt immer einen tollen Film!

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Warum denkt Campino, dass es manchmal gut ist, einfach mal den Mund zu halten? Antwort liefert er in unserer Titelgeschichte zum großen Abschied der Toten Hosen. Dem Heft liegt weltexklusiv die 7-Inch-Single „Immer nur geliebt“ bei. Die ROLLING-STONE-Ausgabe gibt es hier bequem zum Bestellen.