Host Alan Cumming entschuldigt sich für „traumatisierende Shitshow“ bei den BAFTA Awards

Moderator Alan Cumming entschuldigt sich auf Instagram für den BAFTA-Eklat – und kritisiert, dass Beleidigungen gesendet und freie Rede zensiert wurden.

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Alan Cumming hat sich auf Instagram über die BAFTA Awards geäußert und sich dafür entschuldigt, wie mit John Davidsons Tourette-Ausbruch umgegangen wurde.

„Was ein Abend zur Feier von Kreativität, Diversität und Inklusion hätte sein sollen, wurde zu einer traumatisierenden Shitshow“, schrieb Cumming. „Es tut mir so leid für all den Schmerz, den schwarze Menschen durch das Hören dieses Wortes gespürt haben, das rund um die Welt widerhallte. Es tut mir so leid, dass die Tourette-Community daran erinnert wurde, wie wenig Verständnis und Toleranz für ihre Erkrankung aufgebracht wird.“

Davidson ist Aktivist und langjähriger Aufklärer zum Thema Tourette-Syndrom, dessen Lebensgeschichte in dem BAFTA-nominierten Biopic „I Swear“ verfilmt wurde. Während der Zeremonie rief Davidson das N-Wort in Richtung Michael B. Jordan und Delroy Lindo, die gerade den Award für die besten visuellen Spezialeffekte überreichten. Davidsons Tourette-Syndrom verursacht unwillkürliche Tics – er war die ganze Show über beim Fluchen zu hören –, doch die BBC versäumte es, das N-Wort während der Ausstrahlung herauszuschneiden, was weiteren Schaden anrichtete.

Cummings Worte nach dem Eklat

Cumming fuhr fort: „Das einzige mögliche Gute, das daraus entstehen könnte, ist die Erinnerung daran, dass Worte zählen, dass es töricht ist, vorschnell über Dinge zu urteilen, über die wir nicht vollständig informiert sind, und dass jedes Trauma anerkannt und gewürdigt werden muss.“

Der Host fügte hinzu, dass „wir alle das Gefühl hatten, durch Entscheidungen im Stich gelassen zu werden, die einerseits dazu geführt haben, Beleidigungen zu senden, und andererseits freie Meinungsäußerung zu zensieren.“ Bemerkenswert dabei: Die BBC schnitt Akinola Davies Jr. heraus, der seine Dankesrede für den Outstanding British Debut Award für „My Father’s Shadow“ mit dem Ruf nach einem freien Palästina beendet hatte.

Cumming schloss seinen Post mit Glückwünschen an „all die Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeit von den Ereignissen des Abends in den Schatten gestellt wurde“.

Reaktionen von Lindo und der BBC

Davidson hat sich inzwischen zu dem Vorfall geäußert und erklärt, er habe sich bei Jordan und Lindo privat entschuldigt. Am Samstag meldete sich Lindo bei den NAACP Image Awards erstmals öffentlich zu Wort. „Wir schätzen all die Unterstützung und die Liebe, die uns nach dem gezeigt wurden, was letztes Wochenende passierte“, sagte Lindo. „Es bedeutet uns sehr viel.“

In einem Statement nach der Verleihung erklärte eine BBC-Sprecherin: „Einige Zuschauer haben möglicherweise starke und beleidigende Sprache während der BAFTA Film Awards gehört. Diese entstand durch unwillkürliche verbale Tics, die mit dem Tourette-Syndrom verbunden sind, und war, wie während der Zeremonie erläutert wurde, nicht beabsichtigt. Wir entschuldigen uns dafür, dass dies vor der Ausstrahlung nicht herausgeschnitten wurde, und es wird nun aus der Version auf BBC iPlayer entfernt.“

Cumming thematisierte den Vorfall während der Preisverleihung am 22. Februar zweimal. Beim ersten Mal wies er auf die „starke Sprache im Hintergrund“ hin und ergänzte: „Das kann Teil des Erscheinungsbildes des Tourette-Syndroms bei manchen Menschen sein, und der Film erforscht genau diese Erfahrung. Danke für Ihr Verständnis und dafür, dass Sie dazu beitragen, einen respektvollen Raum für alle zu schaffen.“

Zweiter Hinweis von Cumming

Beim zweiten Mal sagte Cumming: „Die Tics, die Sie heute Abend gehört haben, sind unwillkürlich, das heißt, die Person mit Tourette-Syndrom hat keine Kontrolle über ihre Sprache. Wir entschuldigen uns, falls Sie Anstoß daran genommen haben.“

Emily Zemler schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil