Jay-Z erklärt, warum er die Klage wegen sexueller Nötigung nicht beigelegt hat: „It Ain’t in My DNA“

Zum ersten Mal spricht der Rap-Mogul über die „unkontrollierbare Wut“ nach der inzwischen fallen gelassenen Klage – und warum er sie nicht in Musik kanalisieren konnte.

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Jay-Z hat in einem neuen Interview mit „GQ“ über die „unkontrollierbare Wut“ gesprochen, die er nach der Klage wegen sexueller Nötigung empfand – und erklärt, warum er sich weigerte, die Sache beizulegen.

Die Klage wurde 2024 von einer anonymen Klägerin eingereicht, die behauptete, Jay und Sean „Diddy“ Combs hätten sie bei einer VMAs-Afterparty im Jahr 2000 sexuell missbraucht – damals sei sie 13 Jahre alt gewesen. Jay wies die Vorwürfe vehement zurück, ebenso wie Combs, und verklagte seinerseits die Klägerin sowie ihren Anwalt Tony Buzbee wegen böswilliger Strafverfolgung und Verleumdung. Die Klägerin zog ihre Klage schließlich im vergangenen Jahr zurück, Jays Gegenklage wurde einige Monate später abgewiesen.

Zum ersten Mal öffentlich darüber sprechend, sagte Jay, das Ganze habe ihn „viel gekostet“ und ihn wütender gemacht, als er es „seit langer Zeit“ gewesen sei.

Jays Wut und Prinzipien

Er fuhr fort: „So etwas hängt man jemandem nicht an – dafür muss man sich absolut sicher sein. Das war früher so. Man musste sich todsicher sein, bevor man so etwas gegen eine Person in die Welt setzt. Vor allem gegen jemanden wie mich. Selbst als wir die schlimmsten Dinge getan haben, galten solche Regeln. Es gab eine Grenze: keine Frauen, keine Kinder. Man hört diese Sprüche, aber das sind Dinge, die ich von der Straße mitgenommen habe. Danach haben wir gelebt und sind dafür gestorben. Das ist für mich heilig – es hat mir wirklich viel bedeutet.“

Obwohl der Rap-Mogul nach eigenen Worten die Klage schnell hätte beilegen können – ein Schritt, der sowohl „billiger“ als auch „schneller“ gewesen wäre –, erklärte er unverblümt: „Ich kann keinen Vergleich schließen – das liegt mir nicht im Blut… Ich kann das einfach nicht. Das würde mich umbringen.“

Jay sagte, er habe „die Menschen um mich herum mehr gebraucht als je zuvor“, um die Wut zu überwinden – zumal es sich nicht richtig angefühlt habe, diese Gefühle dorthin zu lenken, wohin er sie normalerweise kanalisiert: in die Musik.

Warum keine Musik entstand

„Ich bin mir nicht sicher, ob die Welt bei der Menge an Negativität, die ohnehin schon existiert, gebraucht hätte, dass ich mit meinen Gefühlen noch eins draufsattle – denn es wäre hart gewesen, und zwar hart für alle“, sagte er. „Ich weiß nicht, wie ich Musik machen soll, die nicht widerspiegelt, wie ich mich gerade fühle…. Und ich musste ehrlich und aufrichtig gegenüber dem sein, was ich in dem Moment erlebte. Es wäre ein Feuerwerk geworden.“

Dann sagte er, er wisse nicht, ob solche Musik „mehr Schaden als Nutzen gebracht hätte“, und gab lachend zu, dass die wenigen „Rohideen“, die er in dieser Verfassung skizziert hatte, „alle schlecht“ gewesen seien.

Stattdessen – Jay hat seit „4:44“ aus dem Jahr 2017 kein eigenes Album mehr veröffentlicht – sagte er, er finde reichlich kreative Erfüllung darin, seiner Frau Beyoncé bei ihren jüngsten Projekten zu helfen. „Ich weiß, was sie erreichen will, und alles, womit ich dazu beitragen kann – das ist vor allem meine Familie –, das halte ich für ungemein wichtig“, sagte er. „Und für eine reizvolle Herausforderung.“

Jays Pläne für 2026

Zwar sagte Jay, er sei bereit, 2026 nach ein paar Jahren der Defensive wieder „voll in die Offensive“ zu gehen – ob das auch neue Musik einschließt, ist jedoch unklar. (Er ist in diesem Jahr für einige Auftritte angekündigt, darunter zwei Abende im Yankee Stadium in New York City.)

„Vergiss die Musiklandschaft. Ich weiß gerade selbst nicht, was ich erschaffen muss, damit ich erfüllt bin und mich glücklich fühle – denn das ist das Wichtigste“, sagte er. „Ich weiß nur, dass ich ehrlich sein muss darüber, was ich fühle und wo ich stehe. Vielleicht denke ich zu viel nach. Vielleicht halte ich mich selbst davon ab, einfach zu erschaffen. Was auch immer es ist – es muss eine echte Darstellung dessen sein, wie ich mich fühle. Der Versuch, etwas zu kreieren, das den Leuten gefällt, ist meiner Meinung nach das, woran viele Künstler scheitern. Und die Leute spüren das, weil es nicht authentisch ist. Ich muss einfach etwas Zeitloses machen, das ich wirklich liebe und das wirklich ehrlich und wahrhaftig ist für das, was ich bin.“

Jon Blistein schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil