Kiss-Mitgründer Paul Stanley preist neues Avatar-Spektakel in Vegas als interaktives Gegenstück zur Sphere

„Wir wollten modernste Technologie einsetzen, aber wir wollen der Mittelpunkt davon sein“, sagt Paul Stanley über die geplante Kiss-Avatar-Show in Las Vegas.

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Die lang ersehnte immersive Avatar-Show „Kiss Forever“ kommt 2028 nach Las Vegas. Auch wenn konkrete Details noch unter Verschluss gehalten werden, hatten Kiss-Gründungsmitglieder Gene Simmons und Paul Stanley beim PollStar Live! – der dreitägigen Musikbranchenkonferenz, die diese Woche in Hollywood stattfindet – einiges über das geplante Spektakel zu sagen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand am Dienstag eine Podiumsdiskussion, bei der das Duo von Manager Doc McGhee und Pophouse-Entertainment-CEO Jessica Koravos begleitet wurde. Gemeinsam sprachen sie über den Fortschritt des innovativen Musikerlebnisses und darüber, wie sie ihre ikonischen Bühnenpersönlichkeiten für die Fans bewahren wollen. Dabei machten sie keinen Hehl aus ihrer Absicht, andere technologiegetriebene Attraktionen weltweit zu übertrumpfen – darunter die vielgepriesenen Shows in der Sphere in Sin City, wo bereits Megaacts wie U2, Phish und Dead & Company aufgetreten sind. No Doubt übernehmen die Bühne nächsten Monat, gefolgt von Kenny Chesney im Juni und Metallica im Oktober.

„Die Leute haben gefragt: ‚Warum spielt ihr nicht in der Sphere?’“, sagte Stanley zu Beginn der Diskussion im Dolby Ballroom des Loews Hollywood Hotels. „Und die Wahrheit ist: Die Sphere macht eine Band – zumindest für mich – klein. Sie schrumpft eine Band auf Briefmarkengröße zusammen. Man geht nicht dorthin, um eine Band zu sehen, man geht dorthin, um Screens zu sehen. Wir wollten modernste Technologie einsetzen, aber wir wollen der Mittelpunkt davon sein. Das ist eine völlig andere Erfahrung, als sich eine Briefmarke mit einer Band drauf anzuschauen, während man auf Screens starrt. Das hier ist das genaue Gegenteil davon. Es ist 180 Grad davon entfernt.“

Realer als die Realität

Ein Live-Konzert unterscheidet sich grundlegend von einer Avatar-Show, bei der die Bandmitglieder nicht leibhaftig anwesend sind. Dennoch lobten Stanley und Simmons den Realismus, den Pophouse erreicht hat – die schwedische Musikrechte-Investmentfirma, die unter anderem von ABBAs Björn Ulvaeus mitgegründet wurde. Pophouse steht auch hinter „ABBA Voyage“, bei dem „ABBAtars“ in einer eigens errichteten Arena im Queen Elizabeth Olympic Park in London auftreten.

Stanley erzählte, die ABBA-Avatare – die die Mitglieder so zeigen, wie sie 1971 aussahen – wirkten so echt, dass er nach der Show tatsächlich geglaubt habe, er würde die Band persönlich treffen. McGhee ergänzte, dass ihn „ABBA Voyage“ direkt dazu inspiriert habe, mit Kiss eine eigene Erlebnisattraktion auf die Beine zu stellen – das habe „Hoffnung für die Zukunft geweckt“.

Kiss präsentierten ihre Avatare erstmals beim letzten Konzert der „End of the Road World Tour“ am 2. Dezember 2023 im Madison Square Garden. Koravos erklärte dem Magazin „Pollstar“ Anfang des Monats jedoch, dass es sich dabei lediglich um „einen frühen Prototypen“ gehandelt habe und sich seitdem vieles weiterentwickelt habe. So setzen sie nun stark auf Pyroeffekte und LED-Screens als tragende Elemente der „verrückten 4D-Achterbahnfahrt“, die sie gerade erschaffen.

Kiss Kruise und neues Filmprojekt

Das Kiss-Lager sprach außerdem über die Bandgeschichte, die Fangemeinde, ihre Merchandising-Erfolge – darunter Fans wie Pantera-Gitarrist Dimebag Darrell, der in einem Kiss-Sarg beerdigt wurde – sowie über die bevorstehende Kiss Kruise: Land-Locked Convention im Virgin Hotel in Las Vegas im November. Simmons warb zudem für sein neuestes Projekt: Er produziert den neuen Film „Deep Water“ mit Aaron Eckhart und Ben Kingsley in den Hauptrollen.

Auch wenn die Teilnehmer der Runde sorgfältig darauf achteten, nicht zu viele Details darüber preiszugeben, was der Demon, der Starchild, der Spaceman und der Catman jenseits der Musik treiben werden, deutete die Diskussion auf noch nie dagewesene Interaktionen mit dem Publikum hin.

„Die Show wird spektakulär sein, aber sie ist nur so gut, wie du selbst hineinsteckst – denn die Personas sind da und nehmen dich wahr“, sagte Stanley. „Es ist etwas völlig anderes als alles, was es bisher gab. Wir sind deine Reiseführer durch die Kiss-Welten, anstatt auf die Bühne beschränkt zu sein.“

Lina Lecaro schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil