Alina Süggeler über „Langsam“: Nacktheit, Netz-Attacken und eine Hirnblutung

Wie ein intimes Frida-Gold-Lied zum Aufreger wurde: Alina Süggeler erklärt bei „Sing meinen Song“ den Kontext – kurz nach den Dreharbeiten erlitt sie eine Hirnblutung.

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Emotionen, Tränen und ein lang nachhallendes Momentum: In der aktuellen Staffel des Vox-TV-Formats „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ zeigt sich, wie nah künstlerischer Ausdruck und persönliche Verletzlichkeit beieinander liegen können. Für Sängerin Alina Süggeler geriet die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit zur Zerreißprobe.

Ein Song, der seine Unschuld verlor

Im Zentrum steht der Song „Langsam“, veröffentlicht im Sommer 2016 mit ihrer Band Frida Gold. Was einst als intime Botschaft an ihren jüngeren Bruder gedacht war – eine Aufforderung, Gefühle zuzulassen und sich selbst Raum zu geben – entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem kontaminierten Track.

Der Grund liegt auch in der visuellen Umsetzung. Für das Musikvideo entschied sich Süggeler bewusst für Nacktheit – nicht als dynamische Provokation, sondern als meditatives Symbol für Vertrauen und emotionale Offenheit. Kein Sexy-Kalkül also. Dennoch waren die Reaktionen unerwartet heftig.

„Wir wurden total angegangen“, erinnert sich die heute 40-Jährige. Aus der ursprünglichen Idee wurde in der öffentlichen Wahrnehmung schnell ein Aufreger. Spott und Missverständnisse überlagerten die Botschaft. Das Sperrfeuer veränderte Süggelers Blick auf ihren eigenen Song bis heute.

Johannes Oerdings Neuinterpretation als emotionaler Wendepunkt

Als Kollege Johannes Oerding „Langsam“ neu interpretiert, rollen bei Süggeler einige Tränen. Seine Version führt sie offenbar zurück zum Kern der Lyrics – zu ihrer persönlichen Geschichte, die vom öffentlichen Buhei überlagert worden war.

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Zusätzliche Schwere erhält diese Szene durch das Wissen um das, was kurz nach den Dreharbeiten zur aktuellen Staffel der seit 2014 existierenden TV-Musikserie geschah: Die aus Hattingen im südlichen Ruhrgebiet stammende Sängerin, Model und Schauspielerin erlitt eine Hirnblutung. Sie verbrachte mehrere Wochen im Krankenhaus. Ein Instagram-Post zeigt sie im Klinikhemd im Krankenbett.

Privates in der digitalen Öffentlichkeit

Einerseits dokumentiert dieses Posting einen Einschnitt, der die Themen ihres 2016er-Songs noch einmal in eine existenzielle Realität überführt. Andererseits ist es ein heikles Spiel mit sehr privaten Momenten in einer digitalen Öffentlichkeit.

Statt Feingefühl und Empathie erntet man oft krude Resonanz. Eine Herausforderung für die Pop-Acts unserer Tage.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.