TV-Tipp: Boney M. – Pop-Phänomen und Opfer von Rassismus

Die Doku „Boney M.: Disco. Macht. Legende“ erzählt die Geschichte hinter dem Glamour und macht Rassismus-Erfahrungen der Sängerinnen öffentlich.

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In diesem Jahr jährt sich die Gründung von Boney M. im Jahr 1976 zum 50. Mal. Es ist vor allem die Schöpfung ihres Produzenten Frank Farian und einige Jahre lang einer der erfolgreichsten Pop-Exporte aus Deutschland. „Daddy Cool“ wurde weltweit ein Hit, „El Lute“ gehört ganz sicher zu den besten deutschen Songs. Bis heute verkaufte die Band 150 Millionen Platten, gehört neben ABBA und den Bee Gees zu den erfolgreichsten Disco-Gruppen aller Zeiten.

Eine neue Doku mit dem Titel „Boney M.: Disco. Macht. Legende“ bringt nun Licht ins Dunkel über das Leben von Liz Mitchell, Marcia Barrett, Maizie Williams und Bobby Farrell vor und hinter den Kulissen. Geschildert wird ein „Spannungsfeld zwischen Kunst, Kommerz und Identität“, wie es in einer Mitteilung heißt. Gezeigt wird unter anderem unveröffentlichtes Archivmaterial des Fotografen Didi Zill. Auch bisher unbekannte Super-8-Aufnahmen haben es in die Dokumentation geschafft.

Ein Psychogramm von Frank Farian („ein genialischer Maniac mit Gespür für Hits – aber auch ein Kontrollfreak, der seinen Künstlern wenig Spielraum ließ“) und die Schilderungen der Sängerinnen Mitchell und Barrett über erlebten Alltagsrassismus versprechen einen neuen Blick auf die Gruppe.

Der Film von Oliver Schwehm („Born To Be Wild – Eine Band namens Steppenwolf“) feierte gerade erst Premiere beim Lichter Filmfest und wird am 11. Mai um 23.20 auch in der ARD und parallel im Stream in der ARD-Mediathek zu sehen sein.

Neuer Blick auf die „Ausbeutung“ von Boney M.

Zu Wort kommen neben den Musikerinnen auch Wegbegleiter wie Thomas Anders und Sebastian Krumbiegel. Zudem wirbt die Professorin für Global African Arts, Natasha A. Kelly für einen neuen Blick auf Boney M. im Kontext von Exotisierung und Aneignung „fremder“ Traditionen als Vermarktungsstrategie waren.

Dass Boney M. noch immer ein großes Publikum zu faszinieren vermögen, bewies „Rasputin“, das 2021 überraschend viral ging und bei TikTok unglaubliche 22 Milliarden Views auf sich vereinte.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.