Eurovision Wien 2026: Müde, geflasht, happy – eine Volunteer erzählt

Küsse von Sal da Vinci, Nächte im Euroclub, keine Schlafenszeit: Karin Pointner über ihren Doppel-Einsatz als ESC-Volunteer und Fanclub-Moderatorin in Wien.

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Der Eurovision Song Contest hat sich in 70 Jahren vom Chanson-Wettstreit mit schwarz-weißen Ruckelübertragungen zu einer Mega-Medien-Maschine entwickelt.

Ab Herbst 2027 wird es erstmals eine asiatische Ausgabe geben, wie gestern auf dem täglichen „Media Briefing“ bestätigt wurde. Das Finale in Fernost steigt am 14. November in Bangkok.

Im europäischen Maschinenraum dieser weltgrößten Live-TV-Veranstaltung wuseln Hunderte freiwillige Helfer, ohne die das alles kaum stemmbar wäre. Die weitvernetzte Gemeinschaft der ESC-Fanclubs wiederum sorgt für die besondere Atmosphäre in der Halle selbst und in den Fanzonen der Stadt.

ROLLING STONE hat mit Karin Pointner (41) gesprochen, die in Wien in beiden Lagern engagiert ist. Am Freitagmittag (15. 05.) ist sie raus zum Flughafen nach Schwechat gefahren, um die britischen ESC-Fanclubs zu empfangen.

Woher kommt die Begeisterung fürs freiwillige Engagement?

Du bist seit mehr als zehn Jahren im ESC-Fanclub und jetzt beim ESC in Wien auch in der Volunteer-Mannschaft. Woher kommt diese Begeisterung, dich dort kostenlos zu engagieren?

Karin Pointner: „Sowohl beruflich als auch privat habe ich viel mit Freiwilligenengagement zu tun. Ich helfe einfach gern mit, packe an und unterstütze dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Dieses Engagement dann mit dem ESC zu verbinden, ist doppelt schön.“

Backstage: Begegnungen mit den Acts

Wo wirst du als Volunteer eingesetzt – da, wo es passt, oder spezialisiert man sich? Du hast Backstage erwähnt. Begegnet man dort den Stars der Finalrunden?

Karin Pointner: „Für die Volunteers gibt es verschiedenste Einsatzbereiche – in der Stadthalle und auch an anderen Orten in der Stadt. Ich unterstütze in der ‘Delegation Area’ direkt in der Stadthalle bei allen Anliegen der teilnehmenden Delegationen. Da sich alle Delegationen dort aufhalten, kommt es natürlich vor, dass ich die teilnehmenden Acts sehe und begrüßen kann. Sal da Vinci aus Italien hat dort standesgemäß ‘baci’ verteilt – Küsschen also.“

Fanclub-Meetings und Previews

Was passiert bei den Fanclub-Meetings und -Parties, die du im Vorgespräch erwähnt hast?

Karin Pointner: „Unser Fanclub, die OGAE Austria, organisiert nicht nur während, sondern auch vor und nach der ESC-Woche Veranstaltungen wie Konzerte, Parties oder eine jährliche ‘Preview’, die ich schon mehrmals – auch heuer – moderiert habe. Bei dieser ‘Preview’ schauen wir uns gemeinsam die Beiträge aller teilnehmenden Länder an und bewerten, wer unser gemeinsamer Favorit ist. Auch andere Fanclubs organisieren regelmäßig Treffen. So ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, Fans anderer Nationen kennenzulernen.“

Das persönliche ESC-Highlight

Gab es in den letzten Jahren ein Highlight-ESC für dich, und warum? Welche Stadt hatte den besten Spirit?

Karin Pointner: „Es ist schon eine Weile her, aber ich durfte den Sieg von Conchita 2014 in Kopenhagen live miterleben. Ich habe damals gleichzeitig gelacht und geweint, stand mit offenem Mund da und lag mit mir unbekannten Fans, die während der Show in unserer Nähe saßen, in den Armen. Das werde ich niemals vergessen.

Ich muss gestehen, dass Wien schon einen sehr coolen Spirit hat – leider spielt das Wetter die Woche nicht wirklich mit, aber in der Stadt gibt es so viele ESC-Locations und Fan-Treffpunkte. Die ganze City schreit förmlich ESC.“

Zur musikalischen Entwicklung des ESC

Wie siehst du die langjährige musikalische Entwicklung weg vom „Pop-Chanson“ hin zu Techno-Schlager und Pathos-Hymnen?

Karin Pointner: „Das kann ich nicht unterschreiben. Beim ESC ist immer für jeden etwas dabei. Und seien wir ehrlich: Manches lässt sich auch heuer durchaus als Chanson bezeichnen – außer vielleicht dem Metal-Beitrag aus Serbien.“

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.