ROLLING STONE USA: Der ESC-Gewinner der Amerikaner
Dänemark, Litauen, Italien, Belgien und Zypern – diese Länder haben am Samstag realistische Chancen auf den Sieg beim Eurovision Song Contest.
Die diesjährigen Eurovision-Kandidaten scheinen alle nach demselben zu suchen: Befreiung. Das gilt für Dänemarks Søren Torpegaard Lund, der auf dem pulsierenden Beitrag „Før Vi Går Hjem“ sein Herz auf der Tanzfläche lässt, und für Zyperns Antigoni, einen ehemaligen „Love Island UK“-Reality-Star, der sich auf „Jalla“ einfach im Rhythmus der Musik verlieren will. Sogar Italien sehnt sich nach dem Versinken in der Liebe – mit Sal Da Vincis unermüdlich romantischem „Per Sempre Sì“.
Am Samstagabend treten diese Acts im Eurovision-Finale gemeinsam mit weiteren Anwärtern an – darunter Litauens Lion Ceccah und Belgiens Essyla. Es ist schon eine Weile her, dass eines dieser Länder gewonnen hat oder zumindest nah dran war.
Dänemark siegte zuletzt 2013, Zypern und Litauen wurden noch nie zum Gewinner des Song Contests gekürt. In diesem Jahr kämpfen 25 Länder im Finale um den Sieg, das in der Wiener Stadthalle in Wien ausgetragen wird. Hier sind fünf der aussichtsreichsten Kandidaten.
Dänemark: Søren Torpegaard Lund, „Før Vi Går Hjem“
Nachdem Dänemarks Eurovision-Beiträge fünf Jahre lang auf Englisch gesungen wurden, brachte Søren Torpegaard Lund das Dänische mit der liebessehnsuchtsvollen und hedonistischen Single „Før Vi Går Hjem“ zurück auf die Bühne. Der Song beschwört die Atmosphäre einer schweißtreibenden Clubnacht mit einem intensiven, herzschlagartigen Bassline. Im Chorus ist seine Botschaft unmissverständlich: „Wir lassen die Nacht in Flammen aufgehen und vergessen uns selbst / Halten aneinander fest, bis wir verbrennen / Vergessen, dass wir aufwachen und es wieder bereuen.“ Alles oder nichts. Dänemark hat den Eurovision dreimal gewonnen: 1963, 2000 und 2013. Mit „Før Vi Går Hjem“ scheint ein weiterer Triumph wieder in Reichweite.
Litauen: Lion Ceccah, „Sólo Quiero Más“
Lion Ceccahs Performance auf „Sólo Quiero Más“ sticht unter den diesjährigen Eurovision-Beiträgen besonders hervor. Der Künstler verfolgt einen ambitionierten Ansatz und trägt eine Hymne an die Einheit in mehreren Sprachen vor. „Sólo Quiero Más“ beginnt mit einer Strophe auf Litauisch, gefolgt von einem Chorus auf Englisch und Spanisch. „Even if we’re living in a mad world / Even if we’re standing as the sky falls“, singt Ceccah. „Sólo quiero / Sólo quiero más“ – „Ich will nur mehr.“ Im letzten Chorus öffnet er sich einem noch breiteren Publikum mit Zeilen auf Deutsch, Italienisch und Französisch. Litauen hat den Eurovision noch nie gewonnen. Die beste Platzierung war 2006 mit einem sechsten Platz. Zwei Jahrzehnte später hat das Land mit einem Song über Gemeinschaft und Selbstvertrauen die Chance, den Pokal endlich nach Hause zu holen.
Italien: Sal Da Vinci, „Per Sempre Sì“
Italien setzt in diesem Jahr auf klassische Romantik. Sal Da Vinci trägt das schwärmerische „Per Sempre Sì“ auf Italienisch und Neapolitanisch vor – zum ersten Mal seit Peppino di Capris „Comme è Ddoce ‚o Mare“ von 1991 erklingt damit wieder die romanische Sprache in einem italienischen Beitrag. Sal Da Vinci ist verliebt und optimistisch: Er singt davon, den Rest seines Lebens mit jemandem verbringen zu wollen, egal welche Hindernisse der Weg bereithält. Eine Zeile aus der ersten Strophe lautet übersetzt: „Denn eine Liebe ist keine Liebe fürs Leben / wenn sie nicht den steilsten Aufstieg gemeistert hat.“ Das könnte Italien zum ersten Sieg seit Måneskins Triumph 2021 führen.
Belgien: Essyla, „Dancing on the Ice“
Seit Sandra Kims „J’aime La Vie“ im Jahr 1986 wartet Belgien auf einen Eurovision-Sieg – 40 Jahre sind seitdem vergangen. Nun hat das Land mit Essylas mitreißendem Song „Dancing on the Ice“ erneut eine echte Chance. Der Track steigert sich zu einer spektakulären Tanzeinlage, die wie gemacht scheint für die aufwendigen Bühnenproduktionen, für die Eurovision bekannt ist. Im ersten Halbfinale betrat Essyla die Bühne, während künstlicher Schnee um sie herabrieselte. Flankiert von vier Tänzern, lieferte sie eine beeindruckende Vocal-Performance ab. „Dancing on the Ice“ ist zudem das erste Mal seit 2023, dass Belgien sich für das Eurovision-Finale qualifiziert hat.
Zypern: Antigoni, „Jalla“
Antigonis Dancefloor-Hit „Jalla“ könnte Zypern zum ersten Eurovision-Sieg überhaupt verhelfen. Der mitreißende Track wird auf Englisch und Griechisch vorgetragen und greift die Bauchtanz-Rhythmen der Insel auf. „Hear the beat of the drum, got you feeling alive / Melody of the song got you hypnotized“, singt Antigoni über dröhnenden Percussion-Beats. „Getting lost in the rhythm, but it’s never enough / Might just have you falling in love.“ Zypern kam dem Sieg vor knapp einem Jahrzehnt schon einmal sehr nah: Eleni Foureiras „Fuego“ belegte 2018 den zweiten Platz. Kein anderes Land hat so oft teilgenommen, ohne je zu gewinnen. Antigoni, die in der achten Staffel von „Love Island UK“ eine Woche in der Villa verbrachte, hatte in früheren Jahren versucht, Griechenland zu vertreten – doch ein Sieg würde für Zypern so viel mehr bedeuten.