Get Well Soon
„Minus The Magic“
RECORDJET (VÖ 22.05.2026)
Nach vier Jahren Kunstpause: Wuchtiger, wilder, wagemutiger
Zwanzig Jahre gibt es die Formation Get Well Soon, die im Kern aus dem Mannheimer Mastermind Konstantin Gropper besteht. Zuletzt war es ein wenig stiller um ihn, der letzte Longplayer, „Amen“, erschien im März 2022.
Jetzt ein Aktivjahr mit gleich zwei Alben, das nächste ist schon für den Herbst avisiert. Dabei zerschießt der Multikünstler seine bisherige Linie als Konzept-Wizard. Er bezeichnet nun die ernste Schwere, die auf funkelnden Manierismus traf, als „zutiefst missverstandenes Comedy-Projekt“. Als Mittvierziger blickt Gropper zurück und peilt eine erfahrene Hörerschaft an. Elf Songs aus der Mitte des Lebens. „Minus The Magic“ wird zur Reflexion über Zweifel und alternative Entwürfe.
Erstmals war die komplette Band mit im Studio. Man lässt es rau scheppern. Der Auftakt „The 4:3 Days“ ist ein dichtes Gitarrengeflecht. Und ja, der Mann ist rockiger geworden. Wo kommen wir her, wie sind wir geworden?, lautet die Frage. Musikalisch führt das zu prägenden Jugend-Einflüssen – von Nirvana über Sonic Youth und Teenage Fanclub bis zu Pavement. „The 4:3 Days“ wird so zur nostalgischen Emulsion. Ein Versuch zu verstehen, wie musikalische Erlebnisse eigene Identitäten geformt haben.
Seinem Sinn für ironische Brechung bleibt Gropper treu. „A Night At The Rififi Bar“ entwirft einen Plan B – die Fantasie, dem Musikbetrieb zu entkommen. Die Alternative heißt Kneipe. Als Schutzraum vor der Welt, als Ersatzfamilie, als Ort für Dazugehörige. Schrille Songtitel wie „Sci Fi Gulag“ oder „The Pope Washed My Feet In Prison“ verbinden Bowie-hafte Momente mit Gegenwartsanalyse. Es entsteht ein Album, das ein Wechselspiel aus jugendlicher Energie und weiser Reflexion ist. Bei Get Well Soon ist die Magie nicht flöten gegangen. Sie hat sich verändert.