Violet Grohl
„Be Sweet To Me“
UNIVERSAL (VÖ: 29.05.2026)
Smells like nepo baby, aber Dave Grohls Tochter kann mehr
Wenn Violet Grohl nicht gerade zu rappeligen Drums und mit Feedbackpfeifen verzierten Chorus-Gitarren davon erzählt, wie schwer es ist, sich von schlechten Angewohnheiten zu verabschieden, bringt ein knurriges Riff den Song „THUM“ wunderbar ins Stolpern: „I won’t lie/ I like it“, behauptet Grohl – und wahrscheinlich meint die 20-Jährige nicht nur das Nägelkauen, um das es vordergründig geht.
„Be Sweet To Me“ ist Violet Grohls Debütalbum. Als ihre Inspirationen gibt sie lieber The Breeders oder PJ Harvey als Nirvana an, obwohl das auch gut passen würde. Das könnte damit zu tun haben, dass sie die älteste Tochter von Dave Grohl ist, der ja, bevor er Frontmann der Foo Fighters wurde, bei Nirvana getrommelt hat. Und wer will schon mit 20 die Musik gut finden, die Papa mal gemacht hat?
Die Songs auf „Be Sweet To Me“ klingen trotzdem nach dem Grunge der 90er-Jahre. Für „Last Day I Loved You“ hat sich Grohl nicht nur den Gitarrenpart bei „Smells Like Teen Spirit“ abgeschaut. „Plastic Couch“ kommt wie ein Mash-up aus „Heart-Shaped Box“ und „Something In The Way“ daher. Durch das mürrisch aufstampfende „Often Others“ mäandert ein psychedelischer Grunge-Vibe. Und „Applefish“ tobt sich genüsslich inmitten der genretypischen Laut-Leise-Dramaturgie und nihilistischen Doktrin aus: „No past to escape to/ Greetin‘ from the other side/ Empty road humming by.“ Weil Violet Grohl aber auch noch verdammt gut darin ist, in „595″ die Femme fatale zu spielen, in „Big Memory“ pfeifende Gitarren und eine catchy Hookline aufeinanderprallen zu lassen und einen mit dem störrischen Schlaflied „Mobile Star“ oder der Dream-Pop-Ballade „Pool Of My Dreams“ einzulullen, stört es kein bisschen, dass ihre Musik nach dem Soundtrack der Generation ihres Vaters klingt.