Collien Fernandes spricht öffentlich: „Ein Leben nach dem Tod“

Collien Fernandes spricht über ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, Trauma und den Weg zur Heilung nach den Vorwürfen gegen Christian Ulmen.

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Der Fall um Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes und ihren Ex-Partner Christian Ulmen rund um digitale und häusliche Gewalt sowie den Schutz von Betroffenen nimmt mediale Langzeitkonturen an. In einem 30-minütigen Talk mit Frauke Ludowig für das RTL-Format „Exclusiv Weekend“ schilderte Fernandes die psychischen Belastungen der vergangenen Monate. Die Atmosphäre im Studio war ruhig und vertraut, fernab vom Krawall-Fernsehen. „Wir kennen uns etwas, und wollen das auch nicht verheimlichen. Daher duzen wir uns“, erklärte Ludowig. Neben Detail-Aufarbeitungen stellte die Moderatorin offene Fragen: „Wie geht’s dir eigentlich?“

Massive Auswirkungen auf Privat- und Berufsleben

Die öffentliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen hatte für Fernandes erhebliche Folgen für ihr Privat- und Berufsleben. Als ihre Vorwürfe im März 2026 öffentlich wurden, drehte sie gerade für die TV-Reihe „Das Traumschiff“.

Die Belastung war dort überall spürbar. „Wir haben auf dem Schiff sehr dünne Wände“, sagte Fernandes. In manchen Nächten habe sie im Schlaf ihren Ex-Mann angeschrien. „Dann klopfen Leute und sagen: ,Du scheinst gerade davon zu träumen und du schimpfst gerade auf ihn relativ laut‘ – und sowas hört man dann eben auch nebenan.“

Daraus resultierte auch eine posttraumatische Belastungsstörung. „Es gab Phasen, da lag ich nur mit Panikattacken im Bett“.

Therapeutische Aufarbeitung und Wendepunkt

Fernandes hatte die Vorgänge bereits therapeutisch aufgearbeitet, bevor sie mit ihren Vorwürfen öffentlich ging. Inzwischen gehe es ihr deutlich besser. Doch niemand verlasse „so eine Geschichte ohne irgendwas“.

Gleichzeitig beschrieb sie einen persönlichen Wendepunkt: „Ich habe jetzt das Gefühl, dass es quasi ein Leben nach dem Tod gibt.“ Heute sei sie wieder an einem Punkt, an dem sie zumindest zeitweise stabil sei. „Das hätte ich damals nicht gedacht.“

Die Online-Reaktionen blieben fern von Häme und waren weitgehend pro-Fernandes. Ein Nutzer zieht Parallelen: „Ulmen scheint wie Bohlen zu sein. So rein von der Kontrolle und dem Gaslighting gegenüber seinen Partnerinnen.“

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Juristisch ist der Fall weiterhin nicht abgeschlossen. Medienberichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam auch wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt.

Öffentliches Gespräch im Deutschen Theater

Ein öffentliches Gespräch folgt in der Reihe „Tagesspiegel Hauptstadtgespräche“. Unter dem Titel „Der Preis des Muts“ wird Fernandes am 28. Juni 2026 im Deutschen Theater Berlin (D/T) mit den Tagesspiegel-Chefredakteuren Christian Tretbar und Laura Himmelreich über ihre Erfahrungen, die gesellschaftliche Debatte und die Folgen ihres öffentlichen Auftretens sprechen.

Laura Himmelreich und die Brüderle-Affäre

Laura Himmelreich sitzt mit auf dem Podium im D/T und ist heute stellvertretende Chefredakteurin des Tagesspiegel. 2013 wurde Himmelreich bundesweit bekannt durch ihr Porträt im Magazin „Stern“ mit der Headline „Der Herrenwitz“ über den damaligen FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle. Darin schilderte sie eine als sexistisch empfundene Bemerkung Brüderles am Rande des FDP-Parteitages über ihr Dirndl und ihr Dekolleté.

Die Veröffentlichung löste die bundesweite Sexismus-Debatte rund um den Hashtag „#Aufschrei“ aus. Die Causa war seinerzeit ein erster „moderner“ Aufschlag im Bereich der öffentlichen Diskussion über Machtmissbrauch, Grenzüberschreitungen und den Umgang mit Betroffenen.

Rechtliche Perspektive

Juristisch ist der Fall keineswegs abgeschlossen. Eine abschließende Bewertung der Vorwürfe steht weiterhin aus. Ulmen weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Über seine anwaltlichen Vertreter ließ er erklären, dass aus seiner Sicht unwahre Tatsachenbehauptungen verbreitet würden. Angekündigte rechtliche Schritte sowie die öffentliche Zurückweisung der Vorwürfe gehören weiterhin zur Verteidigungsstrategie seines Teams. Für Christian Ulmen gilt bis zu einer rechtskräftigen Klärung die Unschuldsvermutung.

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Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.