Death Cab for Cutie
„I Built You A Tower“
ANTI-/INDIGO (VÖ: 05.06.2026)
Die US-Indie-Rocker besinnen sich auf alte Stärken
Einst waren sie musikalische Chronisten des Leids. Als Death Cab For Cutie im Alternative-Rock der Nullerjahre durchstarteten, stiegen sie mit ihren von Schwermut durchtränkten Songs zu einer Art Konsensband für pottfrisurige Flanellhemdträger auf. Sie liefen in den angesagtesten Serien, prangten auf Postern, der Bandname ein Synonym für tränenreichen Indie. Ein Etikett, gegen das sich die Band um Ben Gibbard stets sträubte. Stattdessen unterschrieb sie bei einem Majorlabel und fand zu einer gelösten Experimentierfreude.
Aber als Gibbard vor ein paar Jahren begann, die Songs für Death Cabs elftes Album zu schreiben, holte ihn die Tragik ein. Während die Band auf Jubiläumstouren vergangene Erfolge feierte, zerbrach seine Ehe. Plötzlich steckte er in einer Krise, die alles andere turmhoch überragte. Aus diesem Trauma speist sich nun „I Built You A Tower“, eine wütende Platte, auf der die Band ihren alten Charme reaktiviert. Zuletzt hatten sie sich in gemächlichem Synth-Pop verloren.
Jetzt greifen sie auf aufgeraute Gitarren zurück, auf zuckende Rhythmen und Melodien wie Seufzer. Da gibt es etwa den Titeltrack, den sie in zwei schizophrenen Varianten anbieten, einmal als melancholischen Rocker mit Riffs, die sich um Gibbards jungenhafte Stimme ranken – und dann krachend und verbittert als Gleichnis für die zwiespältige Gefühlswelt, wenn eine Liebe erkaltet. Anderswo pest das Quintett durch Dissonanzen, im wirbelwindigen, krummtaktigen „Envy The Birds“ etwa. Oder in „Punching The Flowers“, mit metronomhaftem Beat und verschnörkeltem Bass, eine Zeitschleife des Schmerzes. Eine Erlösung bleibt aus. Aber Death Cabs wohl größte Kunst ist es, all den Gram in etwas Tröstliches zu transformieren. Die Schwermut ist wieder einmal gezähmt.