Yes
„Aurora“
INSIDEOUT/SONY (VÖ: 12.06.2026)
Die Prog-Legende erweitert den Markenkern um Orchestrales
Die Besetzung der englischen Prog-Legende hat sich seit den Keyboard-Burgen von Tastengott Rick Wakeman vielfach geändert. Ihr Ur-Konzert in einem Sommer-Jugendcamp liegt schließlich 58 Jahre zurück. Trotz all der Personalwechsel blieb die „Legacy“ des sphärisch-esoterischen Bombasts. US-Sänger Jon Davison etwa hatte bereits vor 15 Jahren das Mikrofon von Ur-Stimme Jon Anderson übernommen. Es ging beim Einstellungsgespräch weniger um denselben Vornamen ohne h, wichtig war die wackelfreie Beherrschung der hohen Töne.
In der 2026er Besetzung mit Davison, Steve Howe, Geoff Downes, Billy Sherwood und Jay Schellen ist zum 24. Album kein Gründungsmitglied dabei, doch mit Gitarrist Howe immerhin jemand, der seit dem Frühjahr 1970 die turbulente Yes-Historie (mit Gastspielen bei Asia und GTR) bestritten hat.
Im Animations-Video zum 7:25-Epos „Aurora“ wird deutlich, dass der Musik-Markenkern weitgehend Bestand hat. Für den Moment klingt es wie im Chinesischen Staatszirkus, um sogleich in perlendes Gitarrengegniedel zu münden. In toto sind es zehn Tracks. Klangkaskaden hier, dort das erwachsenenradiotaugliche „Turnaround Situation“.
„Aurora“ schreibt die Spätwerke „The Quest“ und „Mirror To The Sky“ fort, mit experimentellen Schlenkern. In der Optik bleibt sich die Band treu. Das Artwork von Roger Dean und Tochter Freyja Dean liefert jene Fantasy-Ästhetik, die seit ehedem mit Yes verbunden ist. Howes Saitenarbeit bleibt kreatives Zentrum: mal filigran und verträumt, dann wieder kühn komplex. Geoff Downes kontert mit Keyboardflächen. Ein Pluspunkt sind die Arrangements des Tschechischen Nationalen Symphonieorchesters. Erstmals seit „Magnification“ wird Orchestrales wieder prominent eingesetzt. Eine epische, fast cineastische Dimension.