Uwe Boll, Zensur & Armie Hammer: Der „Citizen Vigilante“-Skandal
Skandal in Deutschland: Regisseur Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ wurde blockiert. Boll prangert Zensur an. Der Actionfilm mit Armie Hammer, Migration und Meinungsfreiheit löst Debatten aus.
Regisseur Uwe Boll aus Wermelskirchen, der seit Jahren in Kanada lebt, sorgt mit seinem neuen Actionthriller „Citizen Vigilante“ für Kontroversen. Der 61-Jährige wurde bekannt mit einer Vielzahl stark kritisierter Trashfilme – für manche inzwischen „Kult“ –, die ihm die zweifelhafte Aura als „schlechtester Regisseur der Welt“ einbrachten.
FSK verweigert Freigabe – Boll spricht von Zensur
Der neue Streifen mit US-Schauspieler Armie Hammer in der Hauptrolle habe hierzulande keine Freigabe erhalten und könne deshalb nicht regulär ausgewertet werden, so Boll in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“.
Nach Angaben des Filmemachers verweigerte die deutsche Altersfreigabe dem Werk eine Einstufung. Boll sieht darin eine bewusste Zensurentscheidung. Er berichtet, dass ein juristischer Einspruch erfolglos geblieben sei.
Als Begründung sei ihm kurz mitgeteilt worden, der Film könne als Aufruf zu Gewalt gegen Migranten verstanden werden. Eine Stellungnahme der zuständigen deutschen Prüfstelle lag zunächst nicht vor. US-Fachmagazine wie „Variety“ haben die Causa bereits aufgegriffen. In vielen Ländern gibt es eine offizielle Institution wie die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) nicht. Eine Anfrage von „Variety“ bezüglich einer Stellungnahme wurde von der FSK in Wiesbaden bislang nicht beantwortet.
Selbstjustiz-Thriller mit migrationskritischem Sujet
„Citizen Vigilante“ (in den USA über den Verleih Quiver veröffentlicht) versteht sich als moderne Variante des Selbstjustiz-Klassikers „Death Wish“. Die Handlung basiert auf einer Massenvergewaltigung einer Mutter durch migrantische Straftäter. Ihr Sohn entwickelt sich in späteren Jahren zum Rächer, der gegen Kriminelle und korrupte Vertreter staatlicher Institutionen vorgeht. Die Täterfiguren in „Citizen Vigilante“ sind überwiegend, jedoch nicht ausschließlich, Migranten.
Armie Hammer: Comeback nach Karriereabsturz
Auch die Besetzung mit Armie Hammer ließ die Fachwelt aufhorchen. Hammer wurde durch Filme wie „The Social Network“, „Call Me by Your Name“ und „Death on the Nile“ bekannt. Besonders für seine Rolle in „Call Me by Your Name“ erhielt er allgemeine Anerkennung und wurde bei den Golden Globe Awards nominiert.
2021 geriet Hammer in eine schwere Krise, als mehrere Frauen Vorwürfe gegen ihn wegen sexuellen Fehlverhaltens, emotionalen Missbrauchs und sexueller Gewalt erhoben. Zudem wurden private Nachrichten veröffentlicht, die weltweit für Schlagzeilen sorgten. In Meldungen war von „kannibalistischen Fantasien“ die Rede. Hammer bestritt stets ein strafbares Verhalten. Er erklärte, alle sexuellen Beziehungen seien einvernehmlich gewesen.
Cancel Culture, Kevin Spacey und das rechte Spektrum
Regisseur Boll wiederum beruft sich auf einen viel diskutierten Kriminalfall aus Hamburg aus dem Jahr 2016. Er kritisiert vehement die mediale und politische Debatte über Kriminalität und Migration in Europa.
In verschiedenen Interviews beklagt er eine eingeschränkte Meinungsfreiheit und weist zugleich Vorwürfe zurück, politisch dem rechten Spektrum anzugehören. Auf eine direkte Frage hin antwortete Boll: „Ich bin kein Nazi.“
Boll begründete die Verpflichtung Hammers mit dessen schauspielerischen Qualitäten und kritisierte zugleich die „Cancel Culture“. Darüber hinaus sprach er sich für eine stärkere Rückkehr umstrittener Hollywood-Stars aus. Als Beispiel nannte er Kevin Spacey, den er trotz dessen langjähriger Kontroversen weiterhin für einen herausragenden Schauspieler hält und gerne in einer zukünftigen Produktion besetzen würde.
Mit derartigen Aussagen und der provokanten Filmthematik hat sich Boll wohl endgültig zum Säulenheiligen des rechten Kulturspektrums gemacht.