Elvis Costello :: Rock And Roll Music

Eine Anthologie von des Künstlers Hand - und elf "Costello Originals"

Niemand sonst verwaltet sein Werk so rigide, so akribisch und ehrpusselig. Aber es hat auch niemand ein Werk wie jene elf Platten, die Elvis Costello zwischen 1977 und 1986 aufnahm – ein unerreichter Lauf in der Historie der Popmusik und heute ohnehin undenkbar, weil die Vermarktungsregularien allenfalls ein Album binnen zwei Jahren zulassen. Elvis gelangen im Jahr 1986, zum Ende seines Engagements bei Demon Records, die beiden Meisterwerke „King OfAmerica“ und „Blood And Chocolate“. Dann ging er zu Warner und in die entgegengesetzte Richtung, wurde Weltbürger, Prominentenjäger, nahm seine Platten langwierig, mit bewunderten Musikern und an zahllosen Orten auf und füllte die Lücken auf seiner musikalischen Landkarte. Zuletzt war er in Clarksdale, Mississippi angekommen – und mit dem „Delivery Man“ kam der Erfolg in den USA zurück, der ihn 1979 verlassen hatte.

Für Amerika ist nun auch „Rock And Roll Music“ konzipiert, eine Sammlung mit, jawohl: Rock’n’Roll-Songs aus den ersten zehn Jahren seiner Karriere. Costello hat diesen Reigen selbst zusammengestellt, mit Schlagseite zu der frühen amerikanischen Compilation „Taking Liberties“ sowie B-Seiten und dem Album „ThisYear’s Model“. Nun ist „Get Hdppy!“ zwar Soul, „Almost Blue“ ist Country-Klassikern gewidmet, und „Punch The Clock.“, „Imperial Bedroom“ und „Goodbye Cruel World“ sind vieles, nur nicht Rock’n’Roll (allerdings – „The Imposter“, „Shabby Doll“, „Sour Milk Cow Blues“, „Let Them All Talk“?) – doch wenigstens von „Trust“ hätte man sich (neben „Lovers Walk“) einige Stücke mehr vorstellen können. „Mystery Dance“

und „You Belong To Me“ gibt es in Live-Versionen, „Welcome To The Working Week“ als Demo, und „Baby’s Got A Brandnew Hairdo“ überrascht; „Honey, Are You Straight Or Are You Blind“ – eines von vier Stücken von „Blood And Chocolate“ auf dieser Compilation – ist in einer alternativen Fassung ent‘ halten. Was für ein wahrhaft wütender und ätzender junger Mann Elvis einst war, das hört man bei so wilden Songs wie „Clean Money“.

Erfreulicher noch ist die Wiederveröffentlichung der elf „Classic Costellos“ in Digipaks, sozusagen als Replicas der ursprünglichen Alben. Das wüste Cover der amerikanischen Edition von „Armed Forces“ ist den Elefanten gewichen, das unbeschreiblich hässliche US-Motiv von „Punch The Clock“ wurde durch das englische Porträt-Foto ersetzt. Die Textbeilagen auf den Innenhüllen der Platten, so vorhanden, sind zwar reproduziert worden, aber qua Verkleinerung unleserlich. Dafür liegen sämtliche Texte übersichtlich im Booklet bei. Die Waggonladungen Bonus-Tracks und Elvis-Essays der Doppel-CD-Ausgaben fehlen hier freilich.

Aber wer würde nicht gern, nach so vielen Jahren, noch einmal ohne Vorwissen diese Platten hören, ohne Kommentierung und zusätzliches Material, aus einem Guss? Sogar die einzige milde Enttäuschung, „Ablöst Blue“ von 1981, war noch eine wunderbare Verstörung. So wird man schließlich noch einmal das schrabbelige Vmyl herausholen, Artefakte und Reliquien längst, und der Zeiten gedenken, da Costello-Alben überfallartig in den Platten laden kamen – die Medien waren nicht schnell genug, während heute vor jeder Veröffentlichung alles ausgeplaudert und diskutiert wird. Ein bärtiger Elvis mit Krone unter dem Titel „The Costello Show“ würde heute als Fälschung gelten. Damals war es ein Rätsel. Aber Platten wie diese machen sie sowieso nicht mehr.

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