Alejandro Jodorowsky: Der Film-Maler

Eine neue Jodorowsky-Monografie widmet sich dem Surrealisten, der möglicherweise zu groß war für Hollywood.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Die Kunst von Alejandro Jodorowsky verbindet seit den 1950er-Jahren Theater, Film, Literatur, Comic, Performance und spirituelle Praxis zu einem Gesamtwerk, das Kritiker und Fans in verständlicher Ermangelung von treffenden Worten als „surreal“ beschreiben. Anstelle einer linearen Erzählung arbeitet der chilenisch-französische Filmemacher mit Symbolik; seine Filme „El Topo“ und „The Holy Mountain“ sind die Schlüsselwerke des Mitternachtskinos: Mystik, Alchemie, Tarot und Psychoanalyse. Man fühlt sie und versteht sie, kann sie aber nicht nacherzählen.

Besondere Bedeutung kommt seinem nie realisierten Filmprojekt „Dune“ zu. Die in den 1970er-Jahren geplante Adaption von Frank Herberts Roman scheiterte zwar in der Umsetzung, entwickelte jedoch Wirkung. Die Konzeptzeichnungen beeinflussten später Werke von „Alien“ bis „Blade Runner“. Und allein die Vorstellung, dafür mit Salvador Dalí UND Orson Welles paktiert haben zu können, ist sensationell.

Der neue Zweiband „Art Sin Fin“ widmet sich dem Gesamtwerk des bald 97-Jährigen Künstlers. Jodorowsky selbst stellte das Bildmaterial aus seinem Archiv zusammen: Filmstills, Zeichnungen, Fotografien, Bühnenarbeiten und Dokumente aus Jahrzehnten. Der zweite Band verschiebt den Fokus auf den Text: Kommentare, Reflexionen und autobiografische Texte von Jodorowsky, ergänzt durch Gespräche und Beiträge von Wegbegleitern. Für beide Bücher gilt: Die Empfindungen, weniger der Geist steuern das Verständnis.

JODOROWSKY_CE_GB_OPEN001-0745-0747-X_62156
Alejandro Jodorowsky. Art Sin Fin
JODOROWSKY_CE_GB_OPEN001-0118-0119-X_62156
Alejandro Jodorowsky. Art Sin Fin
JODOROWSKY_CE_GB_OPEN001-0106-0107-X_62156
Alejandro Jodorowsky. Art Sin Fin
Cover JODOROWSKY_CE_SLIPCASE001_62156[64]
Alejandro Jodorowsky. Art Sin Fin

LSD-Trip mit Philosophieabschluss

Die ordentlich schwere Edition erscheint als skulpturales Box-Set aus unklem Plexiglas, dessen Form an wiederkehrende Motive aus Jodorowskys Werk erinnert, vor allem Licht und Dunkel als gegensätzliche Kräfte. Die Schriften – eine an mittelalterliche Inschriften angelehnt, die andere von Science-Fiction-Ästhetik inspiriert – sollen eigens entwickelt worden sein. Die dazugehörige Box kann als Buchständer genutzt werden.

Sollte man sich nun alle Filme von Alejandro Jodorowskys nochmal ansehen? Auf jeden Fall. Seine Filme fühlen sich an wie spirituelle Prüfungen mit Kostümen, Blut und Tarotkarten. „El Topo“ ist ein Western ohne Regeln, „The Holy Mountain“ ein LSD-Trip mit Philosophieabschluss. „Dune“ scheiterte grandios – und beeinflusste trotzdem halb Hollywood.

  • Alejandro Jodorowsky. Art Sin Fin
  • Zwei Bände in einer Plexiglasbox, die als Buchständer verwendet werden kann
  • 25 x 42 x 9 cm
  • Band 1: Softcover mit Ausklappseiten, 22 x 29,5 cm, 1.096 Seiten, oben und unten goldener Buchschnitt, Signierblatt an zufälliger Stelle
  • Band 2: Hardcover mit schwarzem Buchschnitt, 22 x 8,5 cm, 1.072 Seiten
  • Gesamtgewicht 14 kg
  • Taschen
  • € 1250
Mark Seelen Taschen
Mark Seelen Taschen
Mark Seelen Taschen
Taschen