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‚Apocalypse Now‘: der letzte Film des Rock’n’Roll

An Größenwahn hat es Francis Ford Coppola nie gefehlt. Er hielt sich für ein Genie. Und wenn er doch mal zweifelte, ließ er sich sein Genie von seinem Qan bestätigen wie ein Boxer in der Ringecke; oder er benahm sich zumindest wie ein Genie, indem er sich wochenlang einschloss, gegen jeden wütete oder den Studiobossen alle Kompetenz, ja Rechte absprach.

Das war in den 70er Jahren, die Ära der Regisseure von New Hollywood, eine tolle Zeit für das Kino. Und als die Dekade vorüber war, hatte Coppola alles verbrannt: Sein Geld, seine Gönner, sein Genie. Sein Größenwahn schlummerte aber weiter und blitzt nun trotzig wieder auf. Vor gut zwei Jahren sah er „Apocalypse Now“ im Fernsehen und sei „einigermaßen bestürzt“ gewesen, wie „unglaublich harmlos und zahm“ sein Film wirke. Und so begann Coppola, sechs Monaten lang „eine ganz neue, gegenüber den Forderungen des Mainstream-Geschmacks kompromisslose Version“ zu schneiden.

Vier Sequenzen von insgesamt 49 Minuten hat er hinzugefügt – und nach rund 20 Jahren, vielen Flops und hämischen Kritiken wird Coppola wieder gefeiert wie ein Messias. Bei dem schematischen Schrott, den Hollywood gerade jetzt produziert, ist „Apocalypse Now Redux“ wie das faszinierende Artefakt eines versunkenen gloriosen Reichs.

Nun ist es allerdings kein sogenannter Director’s Cut jener Regisseure, deren Filme einst von den Produzenten umgeschnitten wurden. Niemand hatte Coppola direkt gezwungen, „Apocalypse Now“ zu „fragmentieren“, wie er es nennt. Das traute sich damals auch keiner. Vielmehr war er es selbst, der im Frühjahr 1979 in einem wachen Moment die Schnitte so ansetzte, dass der Film „dem Geschmack des Massenpublikums wenigstens ansatzweise entgegenkommt“. Denn Coppola, der stets wie ein Fürst lebte und sich um die Zukunft wenig scherte, stand vor der Pleite. Das Budget hatte sich während der über dreijährigen Produktion fast verdreifacht, er hatte Monate im Schneideraum einfach vertrödelt und sein gesamtes Vermögen verpfändet, um vom Studio weitere 16 Millionen Dollar für die Dreharbeiten zu erhalten. Coppola brauchte einen Hit. Er reiste im Mai 1979 sogar noch mit fünf verschiedenen Schlussakten zu der Premiere nach Cannes. Beim Ende hat sich eigentlich jetzt nichts geändert, aber man müsste auch beide Fassungen parallel abspulen, wollte man jeden neuen Schnitt herausfiltern. Neben drei eher kurzen weiteren Szenen mit der Besatzung des Patrouillenboots, den Playmates sowie einem Gespräch zwischen Marion Brando als Colonel Kurtz und dem von Martin Sheen gespielten Captain Willard ist vor allem die lange, geisterhafte Sequenz auf einer französischen Plantage sehr prägnant Willard diniert mit der Familie des Grundbesitzers, der erregt die Invasion der USA verurteilt, und wird von einer jungen Witwe (Aurore Clement) verführt. Farben und Kameraperspektiven erinnern an alte Kolonialdramen.



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