Applaus Award: Warum Deutschlands Clubszene jetzt gefeiert wird

Applaus Award in München: Deutschlands Clubszene für Livemusik, Vielfalt und Leidenschaft ausgezeichnet – die wichtigsten Preisträger und Stimmen des Abends

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Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat seinen ersten Auftritt in der Musikszene absolviert und starke Worte gewählt.

In der fragilen Landschaft der Musik-Awards nimmt der APPLAUS, der bereits zum zwölften Mal in wechselnden deutschen Städten stattfindet, eine stabil etablierte Position ein. Seit 2013 schüttet die Initiative Musik im Rahmen der sogenannten „Spielstätten-Förderung“ jährlich rund zwei Millionen Euro aus und stellt damit den höchstdotierten Kulturpreis der Bundesrepublik.

Montagabend (17.11.) gastierte die Pokal- und Scheckübergabe für kleine und mittlere Livemusik-Clubs in der Münchener Muffathalle und im angrenzenden Ampere.

Der launige Abend vor vollbesetzten Reihen bot zugleich den ersten Auftritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Pop- und Rock-Kontext. Im Gegensatz zu seiner blumig formulierenden Vorgängerin Claudia Roth (Grüne) hielt sich der BKM-Kollege von Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Premiere eher kurz.

Der CDU-Mann lobt die Marktwirtschaft im Rock’n’Roll

Unter der Formel „der Bundestag steht hinter Euch!“ machte er nicht nur den 88 Ausgezeichneten ein Angebot zu weiterer politischer Partnerschaft. Im klassischen CDU-Duktus lobte er die Marktwirtschaft im Rock’n’Roll: „Das Unternehmertum im kulturellen Raum ist etwas ganz Besonderes. Denn häufig tun Sie das, was Sie machen, jetzt nicht unbedingt, weil Sie Geld verdienen, manchmal sogar mit Selbstausbeutung und häufig mit Risiko. Aber Sie tun es, und Sie leisten damit etwas Großartiges und das soll gesehen werden! Es soll gewertschätzt werden.“

Und weiter: „Sie machen es der HEILIGKEIT, der Musik wegen, und der Erlebnisse, Sie machen große Türen auf. Deswegen ist das, was Sie tun, […] ein echter tiefer Dienst an uns.“

Er sprach vom „immateriellen Kulturerbe; von Hip-Hop aus Heidelberg bis zur Technokultur aus Berlin.“

In einem vom BKM zum APPLAUS-Abend lancierten offiziellen Statement liest sich das so: „Wir alle können stolz darauf sein, dass Deutschlands Clubszene Weltruhm genießt – nicht nur Legenden wie das Berliner Berghain, sondern auch die vielen kleineren und größeren Clubs landesweit. Auch deshalb sind wir eine Kulturnation: Wegen des beeindruckenden Reichtums kultureller Institutionen in der Fläche und der breiten Palette regionaler Exzellenz. Die zentrale Aufgabe von Kulturpolitik ist es daher, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Clubs auch in Zukunft ihre Türen öffnen können: durch die ständige Weiterentwicklung passgenauer Clubförderprogramme sowie durch Verbesserungen beim Bau- und Immissions-Schutzrecht. Wir werden alles dafür tun, Clubs auch weiterhin tatkräftig zu unterstützen.“

Mit exakt 477 Bewerbungen ein „neuer Einreichungsrekord“

Da konnte sich Katja Lucker, seit einem Jahr Geschäftsführerin der Initiative Musik, nur freuen. Ihr Büro steuert zahlreiche nationale Hilfsprogramme. Auch das deutsche „Musik-Exportbüro“, das Künstlerkarrieren im Ausland fördern will, ist hier angesiedelt.

„Wir glauben an die Macht von Preisen. Der Applaus ist eine Ehrung für eine großartige Szene. Mehr geht nicht“, sagte Lucker bei ihrer Begrüßung der aus allen Landesteilen angereisten Gäste. Mit exakt 477 Bewerbungen habe es einen „neuen Einreichungsrekord“ gegeben. Die Nachwuchsarbeit gerade der Grassroots-Läden liege ihr dabei besonders am Herzen.

Nachdem die Vertreter Bayerns naturgemäß das vielfältige Geschehen im Freistaat lobten, folgten die Preisverleihungen.

Die Hauptpreise in Höhe von 40.000 Euro gingen in diesem Jahr an eher randständige Adressen, die gleichwohl in ihren Regionen eine wichtige Funktion übernehmen.

Musikclubs bleiben wichtig – hoffentlich!

Das Jazz-Lounge Domicil in der Fußballstadt Dortmund wurde für „Bestes Livemusikprogramm“ ausgezeichnet, ebenso das objekt klein a in Dresden und die villaWuller im moselarischen Trier, die nach Jurymeinung Außerordentliches geleistet haben.

Besondere Anerkennungen erhielten das Mahagoni Kollektiv aus Konstanz, der Kreuzberger Traditions-Schuppen SO36 und das seit Jahrzehnten existierende KFZ in Marburg in den Kategorien „Awareness“, „Inklusion“ und „Nachhaltigkeit“.

Wie es bei Wolfgang Weimer so schön hieß: „Musikclubs sind ein wichtiger Teil der kulturellen Infrastruktur unseres Landes und das kreative Rückgrat der deutschen Populärmusikkultur.“

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.