Arne Willander schaut fern: Der diabolische Küchen-Alchemist


von
Arne Willander
Arne Willander

Die üblichen Kochsendungen im Fernsehen, zuletzt weniger geworden, verwöhnen uns mit dem Anblick frischer Produkte aus regionalem Anbau. „Die Küchenschlacht“ ist ein verträumter Wettbewerb, bei dem Hobbyköche unter Anleitung von Cornelia Poletto oder Alfons Schuhbeck ein Risotto montieren oder ein Rinderfilet mit Blauschimmelkäse überbacken. Ein prämierter Koch dreht den runden Tisch mit dem Angerichteten und kostet die Speisen vor den geweiteten Augen der Laien.

Nichts dergleichen bei Sebastian Lege. Der komplett verschmitzte, auf angenehme Weise laute Lebensmittelchemiker baut die Produkte der Industrie mit Mixern, Zentrifugen, Schweißbrennern, Eiskübeln und Lötkolben in einem Küchenlabor nach, das wie eine Werkstatt anmutet. Einmal geht er auf den Hof, um Fischabfälle zu zermatschen, also Surimi dar aus zu machen und anschließend „Fake-Garnelen“ zu formen, jene angemalten Eiweißbomben, die im Supermarkt verkauft werden und zuweilen im Garnelensalat vorkommen.

Diabolisch grinsend quirlt er ein Pesto zusammen

Lege klärt uns darüber auf, dass der Fischmatsch mit Hühnereiweiß versetzt wird, dass nahezu jedes Fertiggericht mit modifizierter Stärke und Palmfett zubereitet wird, dass keine Erdbeeren im Erdbeerjoghurt sind und kaum Kalbfleisch im Döner ist. Diabolisch grinsend quirlt er ein Pesto zusammen, in dem Basilikum und Balsamico nur in Spurenelementen vorhanden sind.

Sodann fährt er mit einem kleinen Imbisswagen ans Düsseldorfer Rheinufer und serviert Passanten neben den Industrieprodukten seine Nachbauten. Meistens lassen sich die Verkoster täuschen, können das bekannte Fertiggericht von der Fälschung nicht unterscheiden oder bevorzugen die von Lege hergestellte Variation. Der kregle Alchemist belegt, dass in den verarbeiteten Produkten nichts natürlich ist, dass teure Naturalien durch billige ersetzt werden und das Aroma selten von dem kommt, was man vermutet.

Um die Effizienz von Stärke – die in Fleischmarinaden das Gewicht erhöht – zu beweisen, geht der massige Mann über eine bis zum Rand mit dem Zeug gefüllte Wanne. Es geht! „Die Tricks der Lebensmittelindustrie“, zuerst Untermieter bei „ZDFzeit“, wird nun als „Lege packt aus“ fortgeführt, weil der drollige Schelm so beliebt ist. Nur mit seinem nachgemachten Nutella konnte er niemanden narren.