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Arne Willander schaut fern: „Doktor Ballouz“ im ZDF


von
Arne Willander
Arne Willander

Der Chefarzt Amin Ballouz kehrt schweren Herzens in die Klinik in der Uckermark zurück, nachdem seine Frau Mara von einem Auto überfahren wurde. In einer Rückblende sehen wir, wie sie einen aus dem Müll geretteten alten Stuhl, den sie restauriert hat, auf der Ladefläche transportierte. „Ich fahr dann noch bei der alten Räucherei vorbei.“ Sie kam nicht wieder.

Doktor Ballouz, offener weißer Kittel über Cordhose, Hemd mit Krawatte, steht melancholisch am Snack-Automaten und drückt auf „Schokokuchen“. Er wird gespielt von dem Georgier Merab Ninidze, der sonst ehrfurchtgebietende sympathische Schurken gibt (in der britischen Serie „McMafia“) und hier den behutsamen Zweifler. Es ist die Schau, wie Ninidze mit einer Gabel von einem Teller isst. Er kümmert sich um jeden Patienten selbst, er kennt jeden Vornamen, er hört sich jede Lebensgeschichte an. Er operiert den Stoffhasen eines Mädchens, er versteckt sich unter einem Tisch.

Die Neurologin Barbara Forster (Julia Richter) steht ihm zur Seite, sie ist verliebt in Ballouz, ihr Mann hat sie nach 20 Jahren verlassen. Aber Ballouz zaudert: „Meine Frau ist tot. Ich will keine neue.“ Dann nimmt er widerwillig die Katze eines verstorbenen Patienten auf, die er „das Vieh“ nennt. Sie will nicht fressen. Ballouz geht zur Tierärztin. Sie sagt: „Sie hat ihre Bezugsperson und ihre  Heimat verloren.“ Ballouz sagt: „Das habe ich auch. Aber ich fresse noch.“ Natürlich behält er die Katze.

Head-Autorin Conni Lubek hat die sechs Episoden von „Doktor Ballouz“ mit Herzenswärme  geschrieben, Andreas Menck hat sie inszeniert: Die Uckermark erstrahlt sonnendurchflutet unter blauem Himmel mit Schäfchenwölkchen, der Klinikdirektor angelt am See, und die letzten Sonnenstrahlen vergehen.

Der Cast von „Doktor Ballouz“

Glänzende Schauspieler wie Inka Friedrich, Michael Kind, Vincent Krüger, Daniel Fritz und Nadja Bobyleva agieren zur sanft hoppelnden Gitarrenmelodie, und Doktor Ballouz fährt mit seinem alten Trabi auf der von Pappeln gesäumten Allee und plaudert mit der Frau an der Tankstelle. Er hat den Patienten immer etwas Tröstliches zu erzählen. Und bleibt doch untröstlich. Man denkt, dass er Rat gibt. Aber eigentlich sagt er nur ruhig: „Das verstehe ich.“


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