Beck nimmt Abschied von Lou Reed und The Velvet Underground


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Vor etwas über einer Woche, am Sonntag den 27. Oktober, verstarb Lou Reed im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Lebererkrankung. Nach wie vor haben viele seiner Musikerkollegen den Verlust noch nicht verdaut. Dem US-ROLLING-STONE erzählte ein mitgenommener Beck nun, wieviel ihm Lou Reeds Songs bedeuteten und wie sehr sie eine ganze Generation von Musikern geprägt haben. Lesen Sie Becks Erinnerungen in der deutschen Übersetzung:

„Es fällt mir schwer, Lou Reeds Vermächtnis zusammenzufassen. Er war ein so bedeutender Teil der Musiklandschaft der letzten 50 Jahre. Wie kann man einen Blickwinkel entwickeln, für etwas, dass einem so nahe steht?

Als ich das erste Mal eine Platte von The Velvet Underground hörte, war ich 13 oder 14, und es hat mich tief getroffen. Ich hatte mir immer alles angehört, was ich in die Finger bekommen konnte, ich war mit den Beatles und den Ramones aufgewachsen, und gerade hatte ich angefangen, mich für die Stones und Garage Rock zu begeistern. Aber als ich mit „Venus in Furs“ in Berührung kam, fühlte es sich an, als hätte ich nie zuvor so etwas gehört. Es war etwas, was ich immer schon hören wollte. Es fühlte sich so modern an – ich musste auf der Rückseite der Platte nachsehen, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um eine neuere Band handelt. Der Sound war wirklich dreckig, viel wesentlicher als andere Bands zu der Zeit. Die Süße der Melodien und des Songwritings, zusammen mit diesem brutalen Sound, das hat mir wirklich die Augen geöffnet.

Danach habe ich meines Wissens 15 Jahre lang keine Popmusik mehr gehört. The Velvet Underground standen für mich über allem – nach Ihnen habe ich andere Musik beurteilt. Ich denke, diese Erfahrung teilen viele Menschen meines Alters. Lou Reed und die Velvets waren bestimmend für eine ganze Generation von Bands, die sich in den 80ern und 90ern formierten, Band wie die Pixies und Sonic Youth und Jesus and Mary Chain und Pavement und Yo La Tengo. Ich weiß nicht, wie man dieses Genre nennen soll, aber Velvet Underground haben es definiert. Sie lieferten die Blaupause für diese Art von Musik. (…)

Sie waren auch optisch die coolste Band. Ich erinnere mich an ein Bild in einem Magazin, das Lou Reed zeigte, mit dieser riesigen Sonnenbrille und diesem Haarschnitt und den Stiefeln. Ich denke, dass jeder Junge, der es sah, sich wünschte dabei gewesen zu sein. Richtig seltsam wurde es, als meine Mutter mir dann erzählte, dass sie die Band kenne, als sie mich deren Platten hören sah. Sie hatte ein bisschen was mit der Factory-Szene zu tun, als sie im Village aufwuchs, und sie sagte, sie habe bei einigen ihrer frühen Konzerte auf der Bühne getanzt. Ich hatte ja keine Ahnung! Es gab nicht viele Informationen über die Velvets zu dieser Zeit. Später war ich ganz geschockt, dass noch andere von der Band gehört hatten.

Ich habe Lou Reeds Lieder gespielt, seit ich das erste Mal eine Gitarre in den Händen hielt. Sie können so einfach und perfekt sein, bis auf den Kern reduziert, dabei aber nie sentimental oder klischeehaft. (…) Ich werde nie müde, seine Lieder zu spielen – sie funktionieren immer. (…) Du kannst immer einen Song von Hank Williams spielen, immer einen von den Beatles und immer einen von Lou Reed.

Ich erinnere mich an einen Moment um das Jahr 1995, wir hatten gerade auf einem Festival gespielt, und er spielte nach uns. Ich ging also gerade von der Bühne, als er sie betrat. Ich wollte mich vorstellen, aber war doch nicht selbstbewusst genug. Und so traf ich ihn nie und darüber bin ich sehr traurig. Um die Wahrheit zu sagen, ich habe die Nachricht noch gar nicht verdaut, dass er von uns gegangen ist. Mann, was für ein Verlust.“