Beigelegt: New Noises Vol. 112


von

New Noises
New Noises Vol. 112

01. Das waren noch Zeiten, als Gisbert zu Knyphausen für Nils Koppruchs Band Fink im Vorprogramm spielen durfte. Jetzt besiegeln die beiden Songschreiber als Kid Kopphausen ihre Männerfreundschaft. Damit es keinen Ärger gibt, haben die Kopphausens fairstens ausgelost, wer wann singen darf. Bei „Das Leichteste der Welt“ hat Gisbert das längere Hölzchen gezogen und darf die frohe Botschaft verkünden: „You will be saved by Rock’n’Roll.“

02. Glücklicherweise ist es nicht Johnny Rotten, der bei „A Thousand Years“ die von Noir-Romanen inspirierten Versatzstücke rotzt, sondern Gallon Drunk-Sänger James Johnston. Sechs Jahre lang war Johnston Mitglied der Bad Seeds. Für die feinen Raffinessen  melancholischer Düsternis eines Nick Cave ist James Johnston wohl zu englisch. Deswegen pöbelt er  vom Weltuntergang, im Unterschied  zu Rotten, mit gebührendem Desinteresse und gezügelter Persönlichkeit.

03. Während sich hier keiner mehr so recht erinnern kann, wie es ist, wenn die Sonne mehrere Wochen ununterbrochen scheint, darf die Kalifornierin  Eleni Mandell noch mit Recht von einer „Magic Summertime“ sprechen. Dem Sommer seufzt sie in ihrer aparten Pop-Ballade auch deshalb hinterher, weil es dann viel zu heiß zum Denken wird.

04. Da heißt ihr neues Album „The Arrogant“, und dann klingen The Rumour Said Fire überhaupt nicht überheblich. Allerdings soll sich Sänger Jesper Lindang in seiner Jugend an amerikanischem Punk abgearbeitet haben. Heute komponiert der Däne einfühlsame Folk-Pop-Erzählungen, wie die Lagerfeuernummer „The Arrogant“ – inspiriert von der dänischen Pampa, in der er aufgewachsen ist – Mundharmonikasolo inklusive.

05. „Zetermordio“ kommt zunächst wie eine seichte Deutschpop-Ballade daher. Da lässt Songwriter Nicolas Sturm  zu sanfter Gitarre, Tambourin und Schüttel-Ei seine Version von Alex DeLarge durch die Nacht taumeln. Zwischendurch klopft Sturm beruhigend auf dem Xylofon und beendet seine Geschichte schließlich effektvoll mit einem Messer und blutbeschmierten Händen.

06. Es verwundert nicht, dass Alberta Cross ihr neues Album „Songs Of Patience“ genannt haben. Schließlich hat die Entwicklung drei Jahre gedauert. Zunächst zogen Peter Ericson Stakee und Terry Wolfers von New York nach Kalifornien. Dann verordnete sich Stakee eine Auszeit in seiner schwedischen Heimat. Zurück in den USA, arbeiteten die beiden mit mindestens fünf Produzenten an den neuen Songs. Was gut hätte schiefgehen können, klingt wunderbar ausgeruht – schön zu hören beim psychedelisch angehauchten „Lay Down“.

07. Emma Russack ist eine Frau, die weiß, wovon sie spricht: Das zumindest impliziert „Tonight“ – ein angenehm abgeklärter Post-Trennungs-Song, in dem die Songschreiberin berichtet, wie unbefriedigend es sein kann, wenn man wieder jeden haben darf. Russacks  Debüt-Album heißt „Sound Of Our City“ – dass die Autralierin damit ihre momentane Heimatstadt Melbourne meint, ist anzunehmen.   

08. Johannes Sigmonds, der ausschließlich Schwarz und dazu eine riesige Hornbrille trägt, könnte gut als dicklicher Cousin von Jarvis Cocker durchgehen. In den Niederlanden ist Blaudzun längst keine Neuentdeckung mehr, sondern fast Anwärter für eine Cover-Story. Gut, dass sich Sigmonds mit seinem dritten Album jetzt auch in die Nachbarländer traut. Auf „Heavy Flowers“ zupft Sigmonds die Gitarre und haucht sich in Höhen, die man ihm zunächst gar nicht zugetraut hätte.

09. Toy kommen aus London und machen Musik, die  zwischen Indie-Kraut und psychedelischem Rock changiert.  Sänger Tom Dougall  spielte bis vor Kurzem noch bei Joe Lean And The Jing Jang Jong Gitarre und kommt gar nicht aus London, sondern aus Brighton. Sei’s drum – Dougall schminkt sich die Augen, trägt Schmollmund und singt mit Londoner Kunststudenten-Cool ness „Colours Running Out“.

10. Was, „New Noises“ von Willy DeVille? Zum Glück hat niemand in DeVilles Vermächtnis gekramt, um jetzt halb fertige Demo-Songs zu veröffentlichen. Dafür gibt es zum dritten Todestag des genialen Filous einen Konzert-Mitschnitt von 2002, bei dem Willy das whiskeygetränkte „Heart And Soul“ singt.

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