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Highlight: Die besten Alben aller Zeiten: „Blonde On Blonde“ von Bob Dylan

Beißend und pathetisch: Bob Dylans ‚The Times They Are A-Changin“

Für die Ausgabe 8/2005 besprachen wir Neuauflagen der Bob-Dylan-Alben „Bob Dylan“ sowie „The Times They Are A-Changin'“.

Nichts auf Dylans Debüt-LP deutete prophetisch auf das hin, was er genau 14 Monate später mit „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ vorlegen sollte. Nach Meinung von Robert Shelton optisch „a cross between a choir boy and a beatnik“, der ihm in seinen Liner Notes auch dringend zu einem besseren Schneider riet, war diese gerade mal 20jährige Entdeckung von John Hammond noch in ganz alter (Bukka White, Blind Lemon Jefferson) und neuer (Eric von Schmidt, Dave Van Ronk) Folk Music verwurzelt, und auch die beiden eigenen Kompositionen baute er auf dasselbe solide Fundament.

Weitgehend dem Zeitgeist verpflichtet, diesen aber auch kräftig fördernd, waren die politischen Lieder des dritten Albums „The Times They Are A-Changin'“ (****) mal pathetisch, mal beißend im Spott und dann wieder mit dem Furor eines alttestamentarischen Propheten anklagend. So manövrierte er sich da in eine Rolle (die des protest singer), die er bald wieder loswerden wollte. Die Balladen von zeitloser Schönheit hier („One Too Many Mornings“, „Boots Of Spanish Leather“) haben die Jahre und Jahrzehnte besser überdauert. Auch wenn „Only A Pawn In Their Game“ derzeit wieder neue und hohe Aktualität erreicht hat, was die Machenschaften des military industrial complex angeht.

Kooperation

Weil diese beiden unter Dylans neun Studio-Platten der 60er Jahre als die – relativ schwächsten gelten (jedenfalls seitdem mittlerweile kaum mehr jemand am Rang von „Nashville Skyline“ irgendwo offen zu zweifeln wagt), ließ man sie außen vor, als die ersten 15 Remaster auf Hybrid-SACDs erschienen. Jetzt sind sie fast klammheimlich denn doch noch nachgeschoben worden. Nur auf dem Sticker – nirgends sonst findet sich der Vermerk, daß es sich — „speetacularly remastered from original source tapes“ – um weitere Veröffentlichungen der Serie handelt. Da fehlt leglicher Hinweis auf deren Produzenten Steve Berkowitz und seine Mannschaft, insbesondere einer auf die für die klangtechnische Überarbeitung verantwortlichen Tontechniker.

Von ausgesprochen spektakulärem Remastering wie etwa bei „Bringing It All Back Home“ und anderen vorher kann aber keine Rede sein. Auf dem Debüt kommt die Gitarre nicht mehr aus dem rechten und Stimme/ Harmonika aus dem linken Stereo-Kanal. Das konsequente Mono-Remix/Remaster ist eine Konzession an die Fundamentalisten unter den Dylan-Fans, die schon immer maulten, daß das nur in Mono hätte veröffentlicht werden dürfen. Das klingt jetzt ja auch gar nicht mal sooo schlecht, sondern oft durchaus plausibel. Leicht grotesk allerdings dort, wo man — etwa bei „In My Time Of Dyin“‚ — den Eindruck gewinnt, als spielte Dylan die Gitarre vor seinem Gesicht. Die Stimme klingt jetzt weniger verfärbt als beim ersten CD-Remake. Bandfehler wie der zu Beginn von „Man Of Constant Sorrow“ (Dropout/Glitch) wurden digital perfekt repariert.

Frage bleibt trotzdem, ob sich die Tonleute nicht doch bei Stücken, bei denen Dylan die Harmonika bläst, auf einen dezenten 2Kanal-Mix mit deutlich reduzierter, nicht so extremer Übersprechdämpfung hätten verständigen können. An dem Minimal-Stereo von „The Times…“ wurde nichts geändert, aber ein Song wie „Boots Of Spanish Leather“ gewinnt durchs Remastering doch außerordentlich. Und der „North Country Blues“ klang vorher vergleichsweise glatt so, als sei er von beschädigter Bandkopie überspielt worden! Texte und Liner Notes (fremde und Dylans eigene) sind dieselben wie zuvor. Die „11 Outlined Epitaphs“ diesmal kein schäbiger Reprint!

Franz Schöler

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Martin Scorsese dreht Film über Bob Dylans „Rolling Thunder Revue“

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