Spezial-Abo

Berlinale 2017: „Django“ – Musikerleben auf Messers Schneide


von

Weder Blues- noch Molltöne, keine Synkopen, ein Solo darf nicht länger als fünf Sekunden dauern und wer mit dem Fuß im Takt wippt, ist ein toter Mann. Das ist die Ansage, die Django Reinhardt und seine Band bekommt, bevor sie vor einer Versammlung hochrangiger Nazis spielen sollen. Wer jemals die Musik des französischen Jazz-Pioniers gehört hat, weiß, dass diese Vorgaben einem Spielverbot gleichkommen. Doch Reinhard und Band spielen und die Masse der kriegsmüden Nazischergen lässt sich mitreißen von der Musik, die natürlich die Verbote ignoriert. Denn Reinhardt schert sich um nichts, weder um Bitten noch um Drohungen, wenn es um seine Musik geht. Als sich unter den Klängen die ach so deutsche Disziplin und Ordnung auflösen, schreitet der Nazigastgeber ein und beendet das bunte Treiben abrupt. Von diesem Moment an steht das Leben der Musiker auf Messers Schneide.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Handlung von Etienne Comars Debütfilm, der die 67. Berliner Filmfestspiele am Donnerstagabend eröffnet hat, schon weit fortgeschritten. Der Gipsy King des Jazz Django Reinhardt, nonchalant gespielt von Reda Kateb (»Die schönen Tage von Aranjuez«) ist bereits mit seiner schwangeren Frau Naguine (Beata Palya) und seiner resoluten Mutter Negros (Bim Bam Merstein) aus Paris an die Schweizer Grenze geflohen und wartet auf die Chance, sich und seine Familie über die Grenze zu bringen. Denn inzwischen hat er erkannt, dass Hitler mehr als ein Clown mit einem miesen Schnurrbart ist und die Existenz seiner Familie und Freunde auf dem Spiel steht. Reinhardts Bandmitglieder hat es nebst Familien längst in alle Winde zerstreut und seine geheimnisvolle On-Off-Geliebte Louise (Cécile de France) muss ein schmieriges Arrangement mit einem Hitler-Diener eingehen, um den Krieg zu überstehen.

Unangreifbarer Traumtänzer

Dass »Django« nicht einfach nur ein großartig in Szene gesetzter Musikfilm, sondern auch ein Vermächtnis an die lebensfrohe Sinti-Kultur sein will, wird schon in den ersten Szenen deutlich. Da sitzt eine Gruppe Zigeuner in einem verschneiten Wald um ein Lagerfeuer und musiziert. Ein bärtiger Blinder leiht den mitreißenden Klängen seine kräftige Stimme. Als Kind, so erfahren die Zuschauer später, lauschte Django Reinhardt diesem Mann oft stundenlang. Er wird nie wieder die Möglichkeit haben, denn der blinde Sänger wird in diesem Wald mit einer Kugel in der Stirn sterben. Das Zigeunerlager wird von deutschen Soldaten überfallen.



Zum Heulen zumute: Die traurigsten Filme auf Netflix

Als Weltbürger des 21. Jahrhunderts befinden wir uns auf der permanenten Suche nach individueller Erfüllung und dem verlorenen Glück. Warum also verkrümeln wir uns so gerne auf das Sofa und wählen Filme aus, die uns zum Weinen bringen? Eine Studie der Ohio State University liefert eine Erklärung zum Phänomen: Wir sind von traurigen Filmen so fasziniert, weil uns die tragischen Umstände der Charaktere im Film zum Nachdenken anregen. Uns werden die positiven Seiten des eigenen Daseins bewusst. Nach dem traurigen Erlebnis des Filmschauens verspüren wir also ein kurzfristiges Hoch der Dankbarkeit. Wenn Sie das nächste Mal Ihren Emotionen freien Lauf…
Weiterlesen
Zur Startseite