Kinovorschau 2018: Diese Filme müssen Sie sehen

E-Mail

Kinovorschau 2018: Diese Filme müssen Sie sehen

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

01. Februar

Die Verlegerin

Vielleicht wollte Spielberg zur richtigen Zeit den richtigen Film drehen, weil er seinen ersten Oscar seit 20 Jahren erhalten möchte, und drehte seinen schnellsten Film aller Zeiten: begonnen im Februar, im Dezember für die Berücksichtigung der kommenden Award-Season fertig – for your consideration, dear Academy.

Vielleicht wollte Spielberg aber einfach nur die richtigen Zeichen setzen, weil die Zeiten so schlimm sind. Damals und heute, USA unter Nixon, USA unter Trump. Lügen, Vertuschung. In der Administration von 1971 und wohl auch in der Administration von 2017. Ein Ringsprecher würde es so ankündigen: der mächtigste Regisseur Hollywoods gegen den mächtigsten Mann der Welt.

Ein Siegeszug bei den Oscars scheint möglich. Gerade bei der Würdigung des „Besten Films“ berücksichtigte die Academy-Awards-Jury zuletzt Werke, die den Zeitgeist widerspiegelten. Rassismus („12 Years a Slave“), die überfällige Anerkennung afroamerikanischer Filmemacher nach berechtigter „Oscars So White“-Kampagne  („Moonlight“), oder eben Ehrung investigativ-journalistischer Arbeit in der Ära der „Fake News“-Vorwürfe, wie in „Spotlight“.

Die Tragikomik bei einem „Verlegerin“-Triumph in diesem Jahr besteht darin, dass Trump wahrscheinlich diesen Film, in dem ein verlogener Präsident eine Rolle spielt, gar nicht auf sich beziehen würde. Die Dinge liegen da für ihn ganz einfach. Trump selbst wird ja schließlich nicht namentlich erwähnt, so könnte er das sehen.

Regie: Steven Spielberg, Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks
115 Min., FSK: 0, Genre: Historien-Drama

18. Januar

Die dunkelste Stunde

Regie: Joe Wright, Darsteller: Gary Oldman, Lily James
125 Min., FSK: 6, Genre: Biopic

Downsizing

Regie: Alexander Payne, Darsteller: Matt Damon, Kristen Wiig
135 Min., FSK:0, Genre: Komödien-Drama

Die Welt steht wegen der Menschheit vor einigen existenziellen Pro­blemen: dem Klimawandel, der Energie­krise, der Bevölkerungsexplosion und den neuen Platten von ­Katy Perry. Kleiner Spaß, das mit dem Klimawandel muss natürlich erst bewiesen werden, aber beim Rest sucht die Wissenschaft fieberhaft nach einer Lösung. Mit „Downsizing“ präsentiert Hollywood nun seine Vision, wie man das Problem des Bevölkerungswachstums lösen könnte: Da die Menschheit zahlenmäßig rapide wächst, muss sie eben größenmäßig schrumpfen. Denn wenn ein Mensch nur so groß wäre wie ein Handy, bräuchte man deutlich weniger Wohnraum. Und nicht nur das, auch der Bedarf an Lebensmitteln ginge zurück, die bereits an ihre Grenzen gelangte Massenproduk­tion könnte entspannt zurückgefahren werden. Zudem würde sich der Finanzmarkt aufgrund der kleineren Bedürf­nisse deutlich ändern, und die eigenen Ersparnisse würden zigfach im Wert steigen. Ergo: Man ­wäre zwar klein, aber reich und könnte sein Leben unbeschwert genießen – ­savoir vivre en petite.

Diesen Gedanken finden auch Paul (Matt Damon) und Audrey (Kristen Wiig) verlockend, und sie beschließen, sich einer Miniaturisierung zu unterziehen. Doch Audrey kneift, und Paul muss, klein und auf sich gestellt, einsehen, dass auch in der paradiesischen Mini-­Community Leisureland die Probleme riesengroß sind: Soziale Ungerechtigkeit und rassistische Strukturen gehören weiterhin zum Alltag.

„Downsizing“ beginnt als scheinbar harmlose Komödie. Bald wird daraus aber eine pointierte Gesellschaftssatire, die mit dem Fokus auf die Miniaturwelt den Blick für das große Ganze schärft. Trotz einiger spektakulärer Gulliver-­Schauwerte dominieren im Film vor allem die sozialkritischen Aspekte. Durch die dramaturgische Ausgangsidee wird deutlich: Unsere Probleme sind hausgemacht. Vom Menschen. Und so verdeutlicht „Downsizing“ mal eben anhand des Beispiels des „kleinen Mannes“ die moralische Fallhöhe des Menschen im Anthropozän (Cornelis Hähnel).

11. Januar

The Commuter

Regie: Jaume Collet-Serra, Darsteller: Liam Neeson, Vera Farmiga
104 Min., FSK: 12, Genre: Action-Krimi

Wonder Wheel

Ginny, eine ehemalige Schauspielerin aus der zweiten Reihe, arbeitet mittlerweile in Coney Island als Bedienung in einem Muschelrestaurant und kommt mit diesem Realitätsschock schlecht zurecht. In zweiter Ehe ist sie mit dem nicht weniger labilen Humpty (Jim Belushi) verheiratet, einem Karussell­betreiber mit Alkoholproblem. Beide teilen ihr kleines Apartment nahe dem Glücksrad seit Kurzem mit Carolina (Juno Temple), Humptys Tochter aus erster Ehe, die vor ihrem Gatten, einem Mafioso, geflohen ist, nachdem sie vor dem FBI gegen ihn ausgesagt hat. Der Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) schließlich träumt von einer Karriere als Stückeschreiber – ihn hat Woody Allen als Erzähler des Ganzen eingesetzt, der sich von seinem Rettungswachturm aus immer wieder direkt an den Zuschauer wendet. Bald indes verwickelt sich Mickey, der Frauen eigentlich parasitär als Kunstmaterial betrachtet, persönlich in den Gang der Dinge, als er eine Affäre mit Ginny beginnt. Die 40-­Jährige wiederum erkennt in der jungen Carolina eine unwillkommene sexuelle Rivalin und trachtet danach, die Stieftochter loszuwerden.

Kate Winslet ist hier das Ereignis: Sie bezeugt allein durch ihr Mienenspiel Ginnys fatalen Abstieg von der romantischen Ehebrecherin zum skrupellosen, zynischen Biest. Das eigene Leben wird zur Bühne, auf der sich Lebensträume und Illusionen offenbaren und Fragen wie die nach dem Schicksal oder aber eigenem Verschulden aufgeworfen werden. Der eng umgrenzte Raum des Apartments bildet mit wechselnden Tableaus den Hauptschauplatz eines sich zuspitzenden Geschehens, das theatral inszeniert ist und den tatsächlichen verbalen Bezug auf klassische Theaterautoren wie Eugene O’Neill, Sophokles oder Shakespeare gar nicht braucht. Der Rummel mit Karussell, Schießstand und Glücksrad dient als metaphorischer Rahmen dieser machtvoll düsteren Geschichte über Leidenschaft und Verrat, der Vittorio Storaros poetische Kameraführung einen weiteren dramatischen Kontrast hinzufügt (Anke Westphal).

Regie: Woody Allen, Darsteller: Kate Winslet, Justin Timberlake
101 Min., Genre: Drama

Your Name. Gestern, heute und für immer

Regie: Makoto Shinkai, Synchronsprecher: Ryûnosuke Kamiki, Mone Kamishiraishi
106 Min., FSK: 6, Genre: Animation

04. Januar:

Score – eine Geschichte der Filmmusik

Regie: Matt Schrader, 93 Min., FSK: 12, Genre: Musik-Doku

In der Frühzeit des Kinos diente Filmmusik, live aufgeführt, dazu, den Lärm zu übertönen, der vom Projektor ausging. Doch spätestens 1933, mit Max Steiners Soundtrack zu „King Kong“, etablierte sie sich als eigenständige Kunstform. Matt Schraders Doku erzählt nun nicht nur von verschiedenen kompositorischen Herangehensweisen und musikalischen Stilen, sondern auch davon, wie, wo und von wem Filmmusik jeweils eingespielt wird.

Die Doku gibt quasi kleine Werkstattberichte, wobei Schrader sich auf den klassischen Hollywood-Score à la John Williams oder Hans Zimmer konzentriert. Viele namhafte Filmkomponisten, aber auch Regisseure wie James Cameron und eine Psychologin kommen zu Wort. Fazit: Soundtracks sind die Seele des Films (Anke Westphal).

Die Spur

Krimis scheinen momentan das zu sein, was Eurodance für die 90er- Jahre war: schnell und simpel produziert und trotzdem (oder deswegen) ziemlich erfolgreich. Dabei sind Krimis, in kontrollierter Dosis, wunderbare Unterhaltung und im besten Fall weitsichtige Gesellschaftsstudien. „Die Spur“, der neue Film der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland, ist dafür ein perfektes Beispiel.

In einer kleinen Hütte nahe der polnisch-tschechischen Grenze wohnt Duszejko, eine pensionierte Brückenbau-Ingenieurin und hippieske Tierrechtlerin mit Hang zur Astrologie. Ihr Leben wird jäh gestört, als ihre Hündinnen spurlos verschwinden und nur wenig später ihr Nachbar tot aufgefunden wird. Und dies ist nicht die letzte Leiche. Immer mehr Männer sterben auf mysteriöse Weise, allesamt Jäger. Duszejko ist überzeugt: Die Tiere haben begonnen, sich zu rächen. Nur die Polizei hat so ihre Zweifel an dieser These …

„Die Spur“ beginnt als klassischer Krimi, doch bald verlässt er die ausgetretenen Pfade und lässt sich von den Fährten der Tiere lenken. Der Krimiplot steht, weil er relativ banal und durchschaubar ist, weniger im Fokus. Holland konstruiert genüsslich eine Allianz zwischen den Zuschauern und ihrer Protagonistin. Und diese reibt sich an der brutalen Überlegenheit der Menschheit und der arroganten Selbstverständlichkeit des Patriarchats.

Auf der Berlinale 2017 hat „Die Spur“ den Alfred-Bauer-Preis gewonnen, der für Filme verliehen wird, die „neue Perspektiven eröffnen“. Holland, die in den letzten Jahren viele amerikanische Krimiserien (u. a. „The Wire“ und „­House Of Cards“) realisiert hat, spielt mit charmanter Leichtigkeit mit den Genre-Elementen und nutzt die Spurensuche als Vehikel für bis­sige Gesellschaftskritik. Und so ist „Die Spur“ ein sehr kluger, feministisch-­vegetarischer Schelmenstreich, der mit verträumten Bildern und einer grandiosen Hauptdarstellerin zu überzeugen vermag (Cornelis Hähnel).

Regie: Agnieszka Holland, Darsteller: Agnieszka Mandat-Grabka, Wiktor Zborowski
128 Min., FSK: 12, Genre: Krimi-Drama

Julian Schnabel – A Private Portrait

In Künstlerporträts gilt es, neben Werk und Wirkung auch Inspiration und Intention einzufangen. Ob dies gelingt, hängt meist von der Annäherung an das Objekt des Interesses ab. Pappi Corsicato hat für sein Porträt des Künstlers und Regisseurs Julian Schnabel einen höchst subjektiven Blickwinkel gewählt: Freunde, Familie, Weggefährten und Schnabel selbst erinnern sich in beiläufigem Plauderton an künstlerische Eckpunkte und private Begegnungen.

Die Interviews mischen sich mit Aufnahmen aus Schnabels Atelier und Familienleben sowie Filmausschnitten. In den besten Momenten hat das etwas von einem Dinner mit Freunden, bei dem alte Anekdoten ausgetauscht werden, aber über weite Strecken beschleicht einen das leise Gefühl, dass hier befangen Legendenbildung betrieben wird (Cornelis Hähnel).

Regie: Pappi Corsicato, Genre: Künstler-Doku

The Greatest Showman

Die Geburt des Showbusiness steht im Zentrum dieses neuen Musicals, welches von P.T. Banums Ambition und Fantasie inspiriert wurde. Erzählt wird die Geschichte eines Visionärs, der ein mitreißendes und faszinierendes Spektakel erschuf, welches auf der ganzen Welt zu einer einzigartigen Sensation wurde. Die Lieder zum Musical stammen von den Oscar-Preisträgern Benji Pasek und Justin Paul („La La Land“).

Regie: Michael Gracey, Darsteller: Hugh Jackman, Zac Efron
105 Min., FSK: 6, Genre: Musical

Insidious – The Last Key

Regie: Adam Robitel, Darsteller: Lin Shaye, Angus Sampson
103 Min., FSK: 16, Genre: Horror

E-Mail