Bob-Dylan-Freund und „Mercedes Benz“-Co-Songwriter Bob Neuwirth ist tot


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Der US-amerikanische Musiker, Songschreiber und Produzent Bob Neuwirth ist im Alter von 82 Jahren im kalifornischen Santa Monica verstorben. Neuwirth ist vor allem Anhängern Bob Dylans ein Begriff.

„Am Mittwochabend in Santa Monica hat Bob Neuwirths großes Herz aufgehört zu schlagen“, erklärte Neuwirths Familie gegenüber den Kollegen vom US-amerikanischen ROLLING STONE. „Bob war mit jeder Zelle seines Körpers ein Künstler und er liebte es, andere zu ermutigen, selbst Kunst zu machen. Er war ein Maler, Songwriter, Produzent und Plattenkünstler, dessen Werk geliebt und respektiert wird. Über 60 Jahre lang stand Bob im Mittelpunkt kultureller Ereignisse, von Woodstock bis Paris, von ‚Don’t Look Back‘ bis Monterey Pop, von Rolling Thunder bis Nashville und Havanna. Er war ein großzügiger Initiator, der oft im Verborgenen produzierte und Dinge in Gang setzte. Die Kunst war ihm wichtig, nicht der Ruhm. Er war ein Künstler, ein Mentor und ein Unterstützer für viele. Er wird von allen, die ihn lieben, vermisst werden.“

Die Beziehung zwischen Neuwirth und Dylan

Es wäre ungerecht, Neuwirth nur auf seine Rolle im Dylan-Kosmos zu reduzieren. Der Musiker, der seine Anfänge in der Folkszene von Cambridge im US-amerikanischen Bundesstaat Massachussetts hatte, veröffentlichte selbst fünf Solo-Alben — darunter sein selbstbetiteltes Debüt im Jahr 1974. In den 1960er-Jahren freundete er sich mit Bob Dylan an und übte Berichten zufolge sogar einen gewichtigen Einfluss auf ihn aus. Dylan — auf dem Höhepunkt seines Ruhms — dürfte an Neuwirth vor allem seine Attitüde bewundert haben, wie 1972 ein namentlich nicht genannter Kollege gegenüber ROLLING STONE berichtete: „Neuwirth hatte eine negative Einstellung, betonte den Stolz und das Ego und sagte sozusagen: ‚Nimm den Kopf hoch, Mann, lass dir nichts gefallen, übernimm einfach die Szene.‘ Er war jemand, der andere beeinflussen konnte, der an ihrem Ego arbeitete und dieses Ego unterstützte. Seine ganze negative Einstellung passte perfekt zu dem, was Dylan fühlte.’“ Wer genau hinschaut, kann zumindest die untere Hälfte Neuwirths auch auf dem ikonischen Cover des Dylan-Albums „Highway 61 Revisited“ erkennen.

Die Sache mit Janis Joplin, Mercedes Benz und Kris Kristofferson

Zu sehen ist Neuwirth unter anderem in der DA-Pennebaker-Doku „Don’t Look Back“ sowie in Dylans Film „Renaldo and Clara“. Damit hört seine Rolle in der Dylan-Historie aber nicht auf: Er war ein maßgeblicher Teil der Rolling Thunder Revue, für die er Dylans Begleitband zusammenstellte. Neuwirth ist außerdem, gemeinsam mit dem Beat-Poeten Michael McClure und der Sängerin selbst, einer der Co-Autoren des Janis-Joplin-Klassikers „Mercedes Benz“ — er  hatte zudem Joplin und Kris Kristofferson miteinander bekannt gemacht.