Bobby Womack: Die 10 besten Songs
Zehn essenzielle Songs zeichnen Bobby Womacks einzigartige Soul-Karriere nach – von Gospel-Anfängen bis zu späten Meisterwerken.
Bobby Womack bewegte sich künstlerisch in höchsten Sphären: als Protegé von Sam Cooke, als innovativer Rhythmusgitarrist an der Seite von Legenden wie Wilson Pickett, Aretha Franklin und Sly Stone, als produktiver, vielseitiger Songwriter und als Interpret mit einer listigen, rauen Soul-Stimme ohne Vergleich.
Als Mensch stolperte er oft. Und sang furchtlos darüber. Liebeskummer, Verrat, Exzesse, öffentliche Fehltritte und familiäre Tragödien. Seine Stimme trug all das in sich.
Hier sind zehn essenzielle Songs aus dem Katalog von Bobby Womack, die helfen, die Geschichte des Rock-and-Roll-Hall-of-Famers zu entwirren, der sich selbst die vieldeutige Bezeichnung „the last soul man“ gab.
1. The Womack Brothers – „Couldn’t Hear Nobody Pray“ (1962)
Gegründet in der Baptistenkirche von Cleveland, in der ihr Vater als Teilzeitprediger arbeitete, nahm die fünf Brüder umfassende Familiengruppe diesen Gospel-Song auf Sam Cookes Label auf. Bobby war bereits ein selbstbewusster, hochbegabter 18-jähriger Sänger und Gitarrist.
Später wurde das Stück als „Lookin’ for a Love“ säkularisiert und unter dem Namen The Valentinos veröffentlicht. Im Original erhebt sich Bobbys Stimme aus der Unsicherheit des Alleinseins im Tal – bald schon geht sein Heulen in offenen Trotz über.
2. The Valentinos – „It’s All Over Now“ (1964)
Ein roher Country-Rocker, weit entfernt von den Gospel-Wurzeln der Familie. Geschrieben von Bobby und seiner Schwägerin Shirley, schien der Song ein Durchbruch zu werden.
Seine größte Bekanntheit erlangte er jedoch durch die Version der Rolling Stones, die 1964 ihren ersten US-Hit damit landeten. Womack war über die frechere Stones-Version verärgert und nahm 1975 mit Bill Withers eine reife, definitive Neuinterpretation auf.
3. Wilson Pickett – „I’m in Love“ (1967)
Nach Sam Cookes plötzlichem Tod 1964 heiratete Bobby dessen Witwe Barbara – ein Skandal, der zu Boykotten führte. Er verließ die Valentinos und konzentrierte sich auf Studioarbeit.
Dieser Song war seine Antwort an die Kritiker: ein emotionales Bekenntnis. Picketts Version ist die eindringlichste, mit Womacks schimmernder Gitarre. Aretha Franklins Version von 1974 wurde der größte Hit.
4. Bobby Womack – „California Dreaming“ (1968)
Ironischerweise war Womacks erster Solo-Hit ein Cover dieses Klassikers. Aufgenommen in Memphis im American Studio, klingt seine Version zugleich heiliger und verzweifelter.
Zarte Melancholie schlägt in brennendes Verlangen um, während Womack scattet und leidet. Das Stück besitzt die Intensität eines Einakters auf der eigenen Veranda.
5. Bobby Womack – „That’s the Way I Feel About Cha“ (1971)
Auf seinem Album „Communication“ formte Womack die Rolle des kantigen Liebhabers. Er erklärt: „Everybody wants love, but everybody’s afraid of love.“
Der hypnotische Groove macht seine Warnungen unwiderstehlich. Wenn er später fleht und dann wieder Distanz schafft, zeigt sich seine Meisterschaft im emotionalen Balanceakt.
6. Bobby Womack – „Woman’s Gotta Have It“ (1972)
Womacks erster Nummer-eins-R&B-Hit ist eine üppig orchestrierte, schmerzhaft sinnliche Moral über verlorene Liebe. Mit allwissender Autorität erklärt er, was eine Frau braucht – detailliert, direkt und unwiderstehlich vorgetragen. Eine Mahnung aus eigener Erfahrung.
7. Bobby Womack – „Across 110th Street“ (1973)
Die vielleicht größte Blaxploitation-Hymne: voller Reue, Sehnsucht und urbaner Realität. Kein Prahlen, sondern Beobachtung. Wenn Womack singt, dass andere Viertel ohne das Ghetto Probleme hätten, trifft der Song mit brutaler Ehrlichkeit.
8. Bobby Womack – „If You Think You’re Lonely Now“ (1982)
Aus dem Album „The Poet“. Womack rechnet mit einer undankbaren Partnerin ab – mit verletzter, fast unheimlicher Intensität. Ein klassischer Musiker-unterwegs-Song, getragen von Bitterkeit, Selbstrechtfertigung und emotionaler Wucht.
9. Bobby Womack – „I Wish He Didn’t Trust Me So Much“ (1985)
Ein R&B-Hit über Verrat unter Freunden. Der Erzähler gesteht, bittet und entschuldigt sich halbherzig. Womack spielt erneut den unzuverlässigen Erzähler – glaubwürdig, schmerzhaft und moralisch fragwürdig bis zum Schluss.
10. Bobby Womack – „Please Forgive My Heart“ (2012)
Womacks letzte Single und eine Bitte um Vergebung. Produziert von Damon Albarn und Richard Russell, minimalistisch und erschütternd. Ein von Krankheit und Sucht gezeichneter Künstler schließt den Kreis. Am Ende waren wir es, die weinten.