Unsere 20 Lieblingsalben der 80er: Womack & Womack – „Love Wars“


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Was im Rückblick auf die Achtziger oft vergessen wird: wie New Wave und Post-Punk nicht zuletzt in der Black-Music-Wüste Deutschland schwarzen Pop von Motown bis Disco vom kulturindustriellen Stigma befreit haben, vom High-Gloss Trevor Horns für ABC über die Dance-Punks von Gang Of Four bis The Style Councils Beweis, dass Style und Streik sich nicht widersprechen.

„Love Wars“, das Debüt des Ehepaars Linda und Cecil Womack, entspricht dabei ganz dem Klangbild der Achtziger: Schmeichelnde Harmonien und reiche Melodien werden von Synthies grundiert, sacht schwappende Beats elektronisch gepuffert. Die BBC hörte eine „frische Brise“, in den Jahrescharts des „NME“ kam es auf den vierten Platz, vor „Purple Rain“ und dem Debüt der Smiths. Dabei stand „Love Wars“ ganz im Zeichen eines „retro-nuevo“, wie Nelson George fand, eine erwachsene Reaktion auf die HipHop-Kids und die lauthals synthetischen Disco-Ausläufer. Noch nach knapp vierzig Jahren fällt vor allem die Eleganz auf, mit der „Love Wars“ Oldschool- Songwriting und zeitgemäße Soundstandards verbindet. Die Klassik (und der Liebeskrieg) steckt schon in den Biografien der damals 30-jährigen Linda, Tochter von Sam Cooke, und des sechs Jahre älteren Cecil, der schon als Kind mit Bruder Bobby im Familienbetrieb The Valentinos Gospel gesungen hatte, bevor Cooke die Brüder ins säkulare Treiben holte (Bobby heiratete skandalöserweise 1964 Cookes Witwe und wurde Lindas Stiefvater). Als „Love Wars“ erschien, hatte Cecil schon eine Ehe mit Motown-Star Mary Wells hinter sich sowie allein und mit Linda etliche erfolgreiche Songs für Soul-Größen wie Patti LaBelle oder Teddy Pendergrass geschrieben, dessen „Love TKO“ hier ein etwas zärtlicheres Update bekommt. Stewart Levine, in den Siebzigern schon schick understated für Minnie Riperton und Lamont Dozier dabei (später weniger schick für Simply Red), produziert ganz selbstverständlich luftige analoge Ausstattung, schmale Gitarren, Bass und Paulinho Da Costas Percussion gleichberechtigt in ein modernes Design.


Die entscheidende Retrogeste bestand aber im Soul der beiden kontrastierenden Stimmen. Ganz wunderbar lieben und raufen sich der raue Down-Home-Ton und das helle, sophisticatede Sehnen in durchaus komplex und höchst sinnlich inszenierten Liebesdramen wie dem bouncenden „Baby I’m Scared Of You“ oder dem Titelsong. Dieser erdet das Album fast fanfarisch gleich zu Beginn im Gospelton des A‑cappella-Chors, bevor der wuchtige Beat einsetzt. „Express Myself“ beginnt mit fein schnörkliger Gitarre und Percussion wie ein Frühsiebziger-Stück, bevor sich zurückhaltend ein bisschen Synthiefiepen hineinmischt. „A.P.B.“, melancholisch zerrissen von Curtis geführt und einer der besten Soul-Titel der Achtziger, schiebt als flauschiger Funk dahin. „Catch And Don’t Look Back“, mit Linda als Leadstimme, glüht kontrolliert zu seinen synthetisch abgerundeten Beats. Ein bisschen zu gefühlig nur das Cover von „Angie“, mit dem die Familie (Bobby singt Hintergrund) ein paar Tantiemen für „It’s All Over Now“ an die Stones zurücküberweist.

Das Album hat, so zeitverhaftet es klingt, großartig überlebt. „The key“, schrieb Nelson George, wohl korrekt, „is to fuse it all together – heart and stomp, soul and sequencers.“

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