Bruce Springsteen: Jede Nacht ein Wunder


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Es gibt ein paar Musiker, an die man als gewöhnliche deutsche Musikjournalistin einfach nicht herankommt – Bob Dylan, Madonna, Axl Rose … oder auch: Bruce Springsteen. Der gibt den Kollegen vom US-ROLLING STONE zwar zu jedem Album ein Interview, aber das war’s dann auch. Immer wieder wurden mögliche Termine in Aussicht gestellt, immer wieder wurden sie abgesagt. Deshalb rechnete ich im Frühsommer 2005 nicht besonders fest damit, dass es nun ausgerechnet auf der „Devils & Dust“-Tournee funkionieren würde. Wer will schon kurz vorm Konzert Interviews geben? Springsteen offensichtlich, ausnahmsweise.

Die Zeiten wurden zwar permanent verschoben und aus anvisierten 25 Minuten wurden 20, schließlich 15, und wahrscheinlich wären es noch 12.5 geworden, wenn der Tag nicht plötzlich dagewesen wäre. In der Düsseldorf Philipshalle durfte ich aber immerhin sogar den Soundcheck anhören, und als Springsteen schließlich ankam, nahm er sich mehr als eine halbe Stunde Zeit.

Am erstaunlichsten fand ich, wie lange er für seine Antworten braucht. Wenn man ihm gegenübersitzt, merkt man, dass er gar kein geborener Redner ist, sondern mit Formulierungen ringt, mehrfach neu ansetzt, viel überlegt. Was auch bedeutet, dass er eben nicht zu einer professionellen Antwortmaschine mutiert ist wie so viele amerikanische Rockstars, sondern sich wirklich auf sein Gegenüber einlässt. Das hat mir sehr gefallen – und dass er tatsächlich „Tougher Than The Rest“ NUR FÜR MICH gespielt hat, obwohl es ursprünglich gar nicht auf der Setlist stand, erzähle ich immer gern. Wer weiß, ob sich je wieder die Gelegenheit ergibt, sich von Bruce Springsteen einen Song zu wünschen!

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