Der Mondscheiner: Ein Nachruf auf Nils Koppruch


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Er sang von komischen Käuzen, wie man sie eigentlich eher aus der U-Bahn oder vom Kiez kennt und nicht aus Liedern. Vor allem aber sang er von Liebe und Sehnsucht, von Tod und Erlösung. Nils Koppruch war von 1996 bis 2006 Sänger der Hamburger Band Fink, dann nahm er zwei Soloalben auf, und zuletzt veröffentlichte er als Kid Kopphausen ein gemeinsames Werk mit seinem Freund Gisbert zu Knyphausen. Im November sollten sie beim Rolling Stone Weekender spielen.

Wie kein zweiter verstand Nils Koppruch es, die großen Themen des amerikanischen Songs ins Deutsche zu übersetzen. Oder vielleicht sollte man es besser maritim formulieren: überzusetzen – über den Atlantik, in seine Heimat Hamburg. Aus dem mythischen Moonshiner etwa, dem Schwarzbrenner, hat er für den Titel eines Fink-Albums von 1999 den hanseatischen Mondscheiner gemacht. Und dieser Mondscheiner, das war er selbst. Ein dunkler Romantiker und poetischer Liederschreiber, der den Mond eine Straße hinaufrollen, anfachen und leuchten lassen konnte.

Koppruch arbeitete unter dem Pseudonym SAM auch als bildender Künstler. Seine Werke zeigte er auf St. Pauli in seiner Galerie „Ausstellungsraum Neu“. Auf den ersten Blick wirken seine oft mit dicken schwarzen Strichen gemalten Bilder sehr einfach, fast kindlich naiv. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man hier die gleichen Qualitäten wie in seinen lakonischen Texten: die Beobachtungsgabe und die Originalität, den Witz und die Melancholie, die Präzision und die Tiefe.

„Wie lang ist der Weg in den Tag/ Der die Nacht in den Morgen entlässt/ Weißt du, da will ich hin/ Und ich frag mich, wie lang ist der Weg“, sang er in „Immerhinda“, einem seiner schönsten Lieder.

In der Nacht auf den 10. Oktober war der Weg zu lang. Nils Koppruch ist im Alter von 46 Jahren zu Hause in Hamburg gestorben.