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Der Muffel und seine tapferen Söhne – Mumford & Sons beim Hurricane 2016

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Der Muffel und seine tapferen Söhne – Mumford & Sons beim Hurricane 2016

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Headliner sind sie nun, die Briten. Eine Situation, in die sie sich selbst gebracht haben – mit dem vielen Touren, Radiohits, der Verbundenheit zu ihren Fans, der Heimeligkeit und Scheunenromantik auf ihren Konzerten. Eine tolle Sache, eigentlich. Trotzdem will der Schuh – oder besser die zerschlissene Cordweste – nicht so recht passen. Mumford & Sons schleichen sich am Sonntagabend mit „Snake Eyes“ schüchtern auf die Green Stage des Hurricane. 20 Minuten zu spät, „die Amischen kennen keine Uhren“ spottet es von der Seite, dabei haben sie ihren vielerseits belächelten Landbesitzer-Look ja längst gegen Lederjacken, Jacketts und schwarze Hemden getauscht. Viel wurde über sie gelästert, man liebt oder hasst sie nun eben, damit müssen sie leben.

Der neue Song vom letzten Album „Wilder Mind“ gibt die neue Richtung vor: Die alten Fußstampfer-Zeiten sind so gut wie vorbei – um ein lästiges Übel auch noch gleich aus der Welt zu schaffen, schieben sie „Little Lion Man“ als Zweites hinterher. Während Keyboarder Benjamin Lovett ein paar bemühte Interaktionen mit dem Publikum startet, sieht es im Gesicht von Sänger Marcus Mumford allerdings düster aus. Hat der was? Ein großer Plauderer war er ja nie, aber ein adäquater Gesichtsausdruck zu „We love you, Hurricane“ sieht anders aus. Früher war mehr Lächeln. Müde, manchmal etwas zu schnell und – verglichen mit anderen Shows der Band – stimmlich regelrecht hingerotzt spielt er sich durch die alten Songs, viel Engagement hingegen beim neuen, elektrisch verstärkten Material. Während sie zwischen alter und neuer Welt hin- und herspringen wird klar: Was die Selbstfindung, einen respektierten Platz in der Musik angeht, straucheln die Jungs noch immer. Schade.

Erste große Headliner-Gesten dann bei „Lover Of The Light“, der launische Sänger nimmt selbst am kleineren der beiden Drumsets platz und feuert im Stakkato akustisch in die Menge. Das scheint GRUMPford erstmals Spaß zu machen! Ein schallendes Lachen hat er schließlich auch für Bandkollege Ted übrig, als Witzbold Winston – wohl entgegen bandinterner Abmachungen – behauptet, dass der heute seinen Geburtstag feiere. Und plötzlich spurtet der Frontmann los, von der Bühne hinter den ersten Wellenbrecher, während „Ditmas“ kämpft er sich durch das von so viel musikalischer wie körperlicher Nähe überwältigte Publikum.

Eindrucksvoll auch die Darbietung bei „Dust Bowl Dance“ vom Debütalbum „Sigh No More“: „Well yes sir, yes sir, yes it was me/ I know what I’ve done, cause I know what I’ve seen/ I went out back and I got my gun /I said, “You haven’t met me, I am the only son” – ohne Frage nimmt man dem keuchenden Musiker ab, dass er einen Typen auf dem Gewissen haben muss, immerhin hat er auch gerade sein Schlagzeug ziemlich übel zugerichtet.

Es stimmt: Mumford & Sons sind nicht mehr die netten Farmer-Jungs von nebenan, die dir Starthilfe für den Traktor geben. Aus der kleinen Folk-Sensation aus London ist ein internationales Phänomen mit Distanz-Gebaren geworden. Normal für eine Band, die schneller wachsen musste, als es Hörern und Musikern lieb war. Auch wenn nun Intimität und Scheunenromantik fehlen: Es gibt Schlimmeres als diese Band, nur müssen sie das selbst noch verinnerlichen.

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